Lackluder: Das alte Spiel - Teil 12
Datum: Dienstag, 27. Juli 2010 @ 20:42:46 Uhr
Thema: Character Appreciation Month



Autor: Lackluder
Titel: Das alte Spiel
Inhalt: Eines Tages bekommt Logan, mittlerweile erfolgreicher Produzent, eine umheimliche DVD zugespielt, die ihn dazu bringt, mit Hilfe von Vinnie Van Lowe Nachforschungen anzustellen. Dabei trifft er ungewollt auf Veronica, die mittlerweile schon eine Zeit lang beim FBI arbeitet und ihr eigenes Leben in L.A. lebt. Beide sind auf gegenseitige Hilfe angewiesen, was Veronica sogar Schwierigkeiten im Job bringt. Nur hat sie auf den richtigen Partner gesetzt?
Spoiler: irgendwo in oder nach Staffel 4
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 12/?
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Logan, Dick, Veronica, Adam
Kommentar: So, hier kommt Teil 12 Ich möchte mich nur kurz von meinem eigenen Text distanzieren und erwähnen, dass ich Tom Cruis überhaupt nicht gutaussehend finde. Aber das darf ja jeder für sich selbst entscheiden. Ich hoffe, der Teil gefällt.



 

Das alte Spiel

Teil 12

Adam klopfte erneut auf das große Gerät vor sich. Aber kein Ton. Verdammt. Die beiden mussten sich doch unterhalten. Oder zumindest einen Ton von sich geben, der Straßenverkehr sollte zu hören sein.

Frustriert lief er in den Flur und knallte die Tür hinter sich zu. Der Widerhall, der aus dem Arbeitszimmer erklang, war deutlich. Sofort stürmte er zurück, aber wieder war alles still. Dann ging er wieder auf den Flur. „Hallo“, rief er laut. Als er zeitgleich seine Stimme aus dem Gerät hörte, wurde es ihm klar.

Veronica hatte ihr Handy nicht bei sich. Sinnlos, die GPS-Verfolgung einzuschalten. Es würden doch nur die Koordinaten ihrer Wohnung sein.

~*~*~*~*~

„Kaffee?“

Logan kurbelte das Fenster herunter und nahm den Becher mit dem heißen Getränk entgegen.

„Steig ein, Mann.“

Dick Casablancas lief um den Wagen herum und stieg ins Auto.

„Und? Läuft alles nach Plan?“ Dick nahm eine großen Schluck aus seinem Becher.

„Der Kerl hat doch glatt versucht, ihr einen Abhörsender ins Handy zu schmuggeln.“

„Trottel“, sagte Dick abfällig. „Wo ist das Handy jetzt?“

„Im Mülleimer – Badezimmer“, gab Logan unbeirrt zurück.

„Du hättest es runterspülen sollen“, meinte Dick. Doch Logan zuckte nur mit den Schultern. Solang er ihnen nicht folgte, war doch alles in Ordnung.

„Ahnt sie was?“, fragte Dick nun und deutete mit seinem Kopf in Richtung des Gebäudes, in das Veronica gerade verschwunden war.

Logan lächelte kalt. „Sie hat mich geküsst und mir gesagt, dass sie mir vertraut – ich schätze, sie ahnt nicht das Geringste.“

Dick nickte. „Sehr gut.“

„Hat er das Foto von ihr?“, fragte Logan.

„Selbstverständlich.“

Logan holte den schwarzen Kasten mit dem Abhörgerät hervor. „Na, dann lass die Show beginnen.“

~*~*~*~*~

„Miss Cupcake!“ Ein kleiner, hässlicher Mann erhob sich von seinem schäbigen Schreibtisch und reichte Veronica seine verschwitzte Hand. Sie zwang sich zu einem Lächeln und ergriffsie. Nachdem er sie zurückgezogen hatte, bekämpfte Veronica den hartnäckigen Drang, sich ihre Hand irgendwo abzuwischen.

„Oder heißt es Mrs. Cupcake?“ fragte der widerliche Kerl und grinste sie forschend an.

„Nein – ich bin nicht verheiratet. Aber sie dürfen mich gerne Candy nennen. Alle meine Freunde nennen mich so.“ Sie gluckste ein verspieltes Lachen und strich sich gekonnt über die Haare, so dass sie kurz einen Blick auf ihre nackten Schultern freigab und im nächsten Moment wieder von ihren Locken bedeckte. Eine simple Geste – und eine große Wirkung. Die Augen von diesem John Smith weiteten sich und noch einmal fuhr sein Blick über ihre ganze Gestalt. Aus seinen gierigen Augen schloss Veronica, dass er sich gerade vorstellte, wie sie wohl ohne die Bekleidungsstücke aussah. Nun, viel Raum für Spekulationen hatte sie ja wirklich nicht gelassen.

„Bitte, setzen sie sich doch, Candy.“

Er sprach ihren Namen so gedehnt aus, dass ihr beinahe übel wurde. Sie platzierte sich irgendwie auf diesem alten Holzstuhl, gerade so, dass es noch attraktiv wirkte, sie sich aber keine Splitter in die nackte Haut reißen würde.

Während er um seinen Tisch herum ging, um die Tür zu schließen, sah sie sich um. An den Wänden hingen Fotos von Models, einige kannte sie aus der Werbung. Und wiederum andere hatte sie schon in Gastrollen in Fernsehserien gesehen. Nicht gerade Hollywood, aber zumindest auch nicht völlig unbekannt. Nur, dass diese Fotos offensichtlich aus Mitschnitten der jeweiligen Werbe- und Fernsehsendungen reproduziert wurden. Veronica bezweifelte, dass jemals auch nur eine von diesen Frauen Klientinnen dieses „Unternehmens“ gewesen waren.

„Ja, dort können sie all unsere erfolgreichen Kundinnen bewundern.“ John Smith grinste aus seinen gelben Zähnen hervor. „Und sie, Candy, machen wir zu einem ganz großen Star.“ Sie stellte fest, dass er die Tür abgeschlossen und den Schlüssel abgezogen hatte. Sie unterdrückte ihren Urtrieb, fliehen zu wollen und verfiel weiter in ihrer Rolle.

„Ja, wirklich?“, fragte Veronica mit gedehnter Stimme. „Das wäre mein allergrößter Traum. Schon als kleines Mädchen wollte ich ein Star werden.“ Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und stellte fest, das auch diese kleine Geste ihre Wirkung nicht verfehlte. Der Kerl war einfach eklig.

Doch Mr. Smith fuhr sich mit seiner schwitzigen Hand über seine Glatze, welche er versuchte, unter einer breiten, übergekämmten Strähne seines Resthaares zu verstecken, und kam auf Veronica zu. Die Tatsache, dass die eben erwähnte Strähne nunmehr verrutschtseitlich herunter hing, verlieh ihm ein erschreckendes Bild. Doch sie lächelte weiterhin, als wäre er mindestens so schön, wie ein Tom Cruise.

„Sagen sie mir, Candy“, begann er und fuhr ihr mit einem Finger über ihr Kinn. „Was können sie denn alles? Wo sind ihre großen Talente?“ Ihr war nicht entgangen, dass er bei der Bemerkung über ihre großen Talente auf ihren Busen gestarrt hatte. Am liebsten wollte sie ihm eine Faust in den Magen rammen – oder ganz woanders hin. Aber dann besann sie sich wieder und schob ihre Brust nach vorn.

„Mr. Smith – ich würde einfach alles tun. Ich kann tanzen – und singen. Und ich sehe einfachwunderbar aus.“ Sie fuhr sich mit beiden Händen über ihre Rundungen. „Finden sie nicht auch?“

Sie bemerkte, dass sie wohl eine Spur zu dick aufgetragen hatte, denn der Geifer lief ihm förmlich aus seinen Mundwinkeln und seine Hände waren gefährlich nahe an ihren Brüsten.

„Mein Freund sieht das auch so“, versuchte sie sich noch einmal zu retten. Aber aus irgendwelchen perversen Gründen turnte das diesen Kerl nur noch mehr an.

„Sie haben also einen Freund“, stellte er noch einmal fest und fuhr ihr mit seiner feuchten, klebrigen Hand über den Oberschenkel. „Weiß er überhaupt, was er mit einer Frau wie ihnen so alles anstellen sollte?“

Veronica dachte an die zärtlichen, wunderschönen Berührungen von Adam. Und auch an diesen einen, leidenschaftlichen, umwerfenden Kuss, der sie noch vor wenigen Momenten alles anderes hatte vergessen lassen.

„Oh, ich denke, dass weiß er“, antwortete sie ein wenig zu schroff. Fast erwartete sie, dass Logan gleich ins Zimmer und danach auf Smith zu stürzen, um seine anzüglichen Bemerkungen zu rächen. Aber Logan kam nicht.

Smith war zwischenzeitlich zurück an seinen Schreibtisch gegangen und kramte etwas aus seiner Schublade. „Nun, Miss Mars – sagen sie mir, wo sind sie denn zur Schule gegangen?“

„Oh, ich war in Ohio auf der Grand...“ Dann brach sie ab. „Wie haben sie mich genannt?“, fragte sie mit normaler Stimme.

„Miss Mars“, wiederholte er langsam. Er erhob sich abermals und ging auf sie zu. Die eine Hand hatte er in seinem Jackett vergraben, aber in der anderen hielt er ein Foto- von ihr. „Sie sind doch Veronica Mars – oder nicht?“

Ok, Zeit sich zurückzuziehen. Die Art, wie er seine Hand in der Jackentasche bewegte, ließ Veronica vermuten, dass er eine Waffe bereit hielt. Nicht die richtige Zeit, um zu kämpfen. Sie musste hier herausgeholt werden.

„Logan“, zischte sie in Richtung ihrer Brüste.

Doch Smith lächelte nur. „Logan? Logan Echolls – Auf seine Hilfe brauchen sie nicht zu warten.“ Und dann, blitzschnell stach er ihr eine Injektionsnadel in den Arm.

Innerhalb Sekunden spürte Veronica die Wirkung, aber die Sorge um Logan war größer. Hatten sie ihm etwas angetan? „Warum nicht?“, fragte sie noch benommen.

„Nun – er ist der Grund, warum sie überhaupt hier sind. Er hat sie bestellt.“ Und dann wurde es dunkel um sie.

~*~*~*~*~

„Sheriff Mars? Ein Mr. Carter für sie am Telefon.“ Deputy Sachs hatte lediglich seinen Kopf durch die Tür gesteckt, um seinem Boss von dem Telefonat zu unterrichten, was ihm ein etwas bizarres Aussehen verlieh.

„Bitte stellen sie es durch, Sachs.“

Keith Mars nahm den Hörer ab. „Hallo Adam.“

„Mr. Mars – ich, ich...“ Adam wusste nicht so recht, wie er das Gespräch beginnen sollte. Dann platzte er einfach mit dem heraus, was ihn beschäftigte. „Was halten sie von Logan Echolls, Sir?“

Keith war durchaus überrascht von dieser Frage. „Ich kenne Logan, seit er mit 12 Jahren nach Neptune gezogen ist – warum fragen sie?“

Adam schluckte. „Veronica ist mit ihm unterwegs und ich glaube nicht, dass das eine gute Entscheidung von ihr war.“

„Adam, Veronica würde nie etwas tun, was sie verletzen würde. Dass mit ihr und Logan ist lange vorbei.“ Keith fragte sich, was wohl seine Tochter davon halten würde, wenn sie erfuhr, dass ihr Freund seinen Vater anrief, um Beziehungsratschläge einzuholen. Vermutlich nicht allzu viel.

„Nein – es ist nicht... Ich vertraue Veronica. Nur diesem Logan nicht. Was ist er für ein Kerl?“

Keith lachte. „Logan ist im Grunde ein guter Kerl. Er hat zwar sehr viel durchgemacht, aber er ist hart im Nehmen. Ich glaube, er hat nur eine Schwäche – und das ist meine Tochter.“ Ups. Das hätte er nicht sagen sollen.

„Was meinen sie damit, Mr. Mars?“

Jetzt war die Katze schon mal aus dem Sack. „Wenn es um Veronica geht, dann wird Logan manchmal etwas zu emotional“, wich er vorsichtig aus. Doch Adam hatte ihn auch ohne Worte verstanden.

„Er hat sich nicht unter Kontrolle, meinen sie?“ Nun, Keith dachte an Mercer, den Logan im Gefängnis ziemlich übel zugerichtet hatte. Nach dem, was dieser seiner Tochter hatte antun wollen, war er Logan dafür sogar dankbar gewesen, auch wenn niemals ein Wort davon an seine Tochter gelangt war. Aber ja, Logan war schon öfter wegen seiner Gefühle zu Veronica außer Kontrolle geraten.

„Warum fragen sie das alles?“

Adam seufzte und überlegte kurz. Dann entschied er sich zu einem Geständnis. „Veronica ermittelt mit Logan auf eigene Faust gegen den Menschenhändlerring.“

„Wieso auf eigene Faust?“ fragte Keith. „Das FBI ermittelt doch, soweit ich weiß. Und Logan ist auf der Suche nach seiner Schwester.“

„Mr. Mars – Veronica wurde suspendiert. Wegen Logan.“

Warum überraschte ihn das jetzt nicht so sehr, wie es eigentlich sollte? „Gut Adam, ich verstehe, dass sie darüber nicht erfreut sind. Und seien sie sicher, ich bin es ebenso wenig. Aber Veronica kann gut auf sich aufpassen.“

„Ich sollte mir also keine Sorgen machen?“, fragte Adam unsicher.

„Da fragen sie wohl den Falschen“, erwiderte Keith.

„Nun, wenn nicht ihren Vater, wen dann?“

„Gerade deswegen, Adam. Ich bin ihr Vater – ich werde mir noch Sorgen um Veronica machen, wenn sie bei mir auf dem Sofa sitzt und einen heißen Kakao trinkt. So sind Väter nunmal.“

~*~*~*~*~

Sie kam langsam zu sich. Zaghaft öffnete sie die Augen, doch der sanfte Lichtschein, eher Schatten als Licht, schmerzte in den Augen. Sie versuchte sich zu orientieren. Aber das grässliche Pochen in ihrem Kopf machte es nicht leichter.

Doch dann drangen Stimmen an ihr Ohr. Und jede einzelne kam ihr bekannt vor.

„Nun, meine Herren – wie sie sich anhand der Bilder überzeugen können, haben wir eine erlesene Anzahl an jungen Damen. Bei einer Kooperation... Ihre Studios – unsere … Beschaffungsmethodik, wir werden Milliarden verdienen können.“

„Nun, ich bin überzeugt, dass wir ins Geschäft kommen können, Mr. Smith. Aber das ist eine Sache, die wir dann doch lieber mit ihrem Boss verhandeln, oder? Sie haben ihn doch kontaktiert.“

„Sicher, aber selbstverständlich. Genau wie sie es wollten. Snyder hat mir die Anweisung gegeben, Mr. Garlay von ihrem großzügigen Angebot zu unterrichten – und auch, ihre Namen noch nicht zu nennen.“

„Hervorragend. Es soll eine Art... Überraschung sein.“

„Mr. Garlay ist bereits auf dem Weg, damit das Geschäftliche geklärt werden kann. Aber – wenn sie mir eine Frage erlauben, Sir?“

„Aber sicher.“

„Snyder sagte, sie wollen den nächsten Film unbedingt mit dieser Frau haben – Warum gerade diese.“

Er lachte. „Oh – das ist einfach. Sie hat mir das Herz gebrochen.“

Veronicas Augen hatten sich an das schale Licht gewöhnt, und doch traute sie weder dem, was sie sah, noch dem, was sie hörte. Aber zweifelsfrei war sie eingesperrt in einem Käfig – gemacht für Raubtiere.

Außerhalb des Käfigs kalter, grauer Beton. Ein großes Tor links zu ihrer Seite – wohl der Liefereingang. Und dort, hinter einem Mauervorsprung rechts befanden sich die Urheber der stimmen, gerade mal drei, vier Meter von ihr entfernt. Sie machte einen runden Holztisch aus, vier Stühle – und doch wirkte das spartanische Mobiliar hier völlig fehl am Platz. Und dort, an dem Tisch, standen sie. Smith, Dick Casablancas und als Redelsführer – Logan Echolls.

Ihr wurde schlecht. Was tat er hier? Und Dick? Wo kam Dick überhaupt her? Beide trugen maßgeschneiderte Anzüge. Noch vor wenigen Minuten – nun vielleicht doch mehr, schließlich war sie weggetreten – hatte er noch Jeans und Shirt getragen. Sie erinnerte sich an Smith´s Worte. Logan hatte sie bestellt?

Dick bemerkte sie als erstes. „Logan – sie ist wach.“

Betont langsam trottete er zu ihr herüber, während die anderen zwei ihm folgten. Veronica starrte ihm ins Gesicht, doch seine Augen waren kalt wie Eis. „Gut geschlafen, Süße“, fragte er leichthin.

Sie rappelte sich auf. Sie war zwar noch ein wenig wackelig auf den Beinen, aber ihre Wut brachte sie sicher nach oben. Sie riss an den Gitterstäben, obwohl sie wusste, dass sie damit nichts ausrichten konnte.

„Sag, dass das nicht wahr ist, Logan!“

Smith lachte. „Ein energisches kleines Bündel – vielleicht hätte ich ihr doch mehr spritzen sollen – ich kann das nachholen, wenn sie es wünschen.“

„Nein, lassen sie nur. Sie wird ohnehin niemanden mehr etwas erzählen können.“

In Veronicas Kopf arbeitete es fieberhaft, was bei den Nebenwirkungen der Drogen, die ihr gegeben worden waren, gar nicht so einfach war. Logan sollte das alles eingefädelt haben? Hinter all dem stecken? Das konnte doch nicht wahr sein.

Und doch – ihr analytischer Verstand sagte ihr genau das. Logan hatte sie verraten und verkauft.

„Wieso?“, fragte sie leise.

„Als ob du das nicht genau wüsstest“; mischte sich nun Dick ein.

„Dich habe ich nicht gefragt“, fauchte sie zurück, hielt aber Logan mit ihrem Blick fixiert.

„Ach ich bitte dich“, sagte Logan nun. „Einen Echolls verlässt man einfach nicht.“

Veronica schnappte nach Luft. „Logan, dass ist Jahre her.“

„Nun, Rache serviert man halt immer kalt – Schätzchen“,meldete sich wieder Dick zu Wort.

Sie schaute verwirrt von einem zum anderen. Und gleichzeitig verschaffte sie sich ein Bild von ihrer eigenen Situation Sie war also gefangen in einem Käfig, der sich in einer alten Lagerhalle befand. Es roch unangenehm nach Blut und Fäkalien. Sie vermutete stark, dass in diesen Räumen auch die Filme mit den Frauen gedreht wurden. Und sie sollte die nächste Hauptrolle spielen. Und warum?

Weil Logan Echolls es nicht verwunden hatte, dass sie ihn vor Jahren verlassen hatte? Er hatte sie doch betrogen! Und doch, Logan hatte immer Angst davor gehabt, zu werden, wie sein Vater. Er hatte geglaubt, die bösen Gene seines Vaters in sich zu haben. Was war denn, wenn er sich da nicht geirrt hatte? War Wahnsinn tatsächlich vererbbar? War Logan wirklich wahnsinnig geworden oder hatte sie ihn nie richtig gekannt?

Und Dick? Nun, er hatte sie schon immer gehasst. Und Logan vergöttert. Und die Tatsache, dass sein eigener Bruder äußerst zweifelhaften Ruhm durch die Bombe am Schulbus und dem anschließenden Selbstmord erlangt hatte, hatte womöglich auch bei ihm einiges durcheinander gebracht.

Warum hatte sie das nur nicht früher gesehen – und nicht sehen wollen?

Während sie noch ihren trüben Gedanken nachhing, hatten sich die Männer wieder abgewandt und redeten über das Geschäft.

„Nun, Smith – ich würde auch gerne die anderen Frauen persönlich sehen – wo haben sie die versteckt?“

Smith fühlte sich offensichtlich unwohl in seiner Haut. Immer wieder schaute er zwischen Dick, Logan und Veronica, die immer noch fassungslos Logan anstarrte, hin und her.

„Mr. Echolls, bei allem Respekt. Aber ich kann sie nicht zu den anderen führen. Das würde die anderen Auftraggeber beleidigen.“

'Andere Auftraggeber? Veronica, an Logan kannst du später noch denken, aber jetzt seh zu, dass du soviel mitkriegst, wie möglich', schalt sie sich selbst in Gedanken.

„Nun, bei allem Respekt, Mr. Smith – ich gedenke, eine erstaunlich hohe Summe in dieses Geschäft zu investieren. Da sollte ich die Ware zumindest einmal direkt ansehen. Alleine für das Vergnügen, meine Exfreundin in einem ihrer Filme als Hauptdarstellerin zu sehen, habe ich ihnen bereits die kleine Summe von einer Millionen gezahlt. Und von den weiteren zwei will ich gar nicht erst anfangen.“

„Weitere zwei?“, fragte Smith und sprach damit genau das aus, was Veronica gerade dachte. „Snyder hat davon nichts erwähnt.“

„Natürlich nicht. Ich werde die ersten Transaktionen ja wohl kaum unter meinem eigenen Namen laufen lassen. Rufen sie Snyder an und lassen sie es sich bestätigen. Und danach werden sie mir den Weg zu meinen anderen Mädchen zeigen.“

Smith überlegte einen Moment, dann nahm er sein Handy und entfernte sich einige Meter.

„Welche anderen?“, schrie Veronica Logan an. Doch noch bevor er antwortete, war es ihr selber klar. Natürlich, wie sonst hätte er sie hier her bekommen?

„Trina natürlich – und Madison.“

Dick grinste. „Madison war meine Idee. Ich meine, da vögelt die mit meinem besten Kumpel und dann posaunt sie das noch überall herum – das ist doch einfach nicht zu fassen.“

„Und hätte Madison dir nie etwas erzählt, wären wir zwei vermutlich heute noch zusammen.“

Also doch. Logan hatte Trina entführen und den Film machen lassen, um sie zu ködern. Genialer Plan. Er wusste, damit würde sie sich auf seine Seite stellen. Er wusste auch, damit würde sie das FBI und auch Adam gegen sich aufbringen und wäre dann isoliert. Aber wie passte Lynn Echolls da hinein? Wusste Logan von ihrer Existenz? Das war möglich. Sie wollte ihn am liebsten danach fragen, aber was wäre, wenn es tatsächlich nur ein Zufall war? Wenn er nicht von ihr wusste?

Wenn er bereit war, Veronica dies hier anzutun, weil sie ihn wegen der Affäre mit Madison verlassen hatte – was würde er seiner Mutter antun, die ihm seinen Tod vorgetäuscht hätte?

„Warum dieses Theater, Logan? Warum hast du mich nicht einfach entführt? Warum diese falschen Ermittlungen?“

„Nun, ich musste dich doch irgendwie vom FBI separieren. Eine einfache Entführung hätte mir das FBI und deinen Vater auf den Hals gehetzt.“

„Sie werden mich auch so suchen und finden.“

Logan lachte viel zu laut. „Ja, wo denn? Wir sind doch beide bei unseren Ermittlungen, die du trotz deiner Suspendierung durchgeführt hast... - wobei ich sagen muss, dass es erschreckend einfach war, deinen Boss dazu zu bringen, dich zu suspendieren – den Bösen in die Quere gekommen. Ich tauche einfach ein paar Wochen ab – Dick hält jetzt erstmal alle Anteile und kann sich in Ruhe um die Firma und um die Suche nach mir kümmern.“

„Und in ein paar Wochen werden wir Logan überraschend in Ost-Europa finden, aber von dir leider keine Spur, Veronica“, ergänzte Dick den Vortrag seines Freundes.

„Damit kommt ihr niemals durch, niemals. Dad wird mich finden. Vinnie ist der Sache doch auch noch auf der Spur und...“

„Vinnie? Du meinst Er-tut-für-Geld-wirklich-alles-Vinnie?“

Oh nein. Vinnie würde sie nicht wirklich verraten. Nicht sie. Nicht für alles Geld der Welt. Obwohl – es war Vinnie. Für genug Geld würde er seine eigene Mutter verkaufen.

„Adam wird mich solange suchen, bis er mich findet. Und mein Dad auch. Und...“

Dick gähnte. „Warum muss sie immer soviel reden.? Das ging mir früher schon auf die Nerven. - Du hättest ihr einfach den Schädel einschlagen sollen.“

„Hey, ich bin nicht so ein jämmerlicher Schwächling wie mein Vater – ich bin da etwas... stilvoller.“

„Du bist so... so... Es gibt nicht mal Worte, die beschreiben, wie angewidert ich von dir bin“, schrie Veronica ihn an.

Langsam näherte er sich ihrem Käfig.Und für einen winzigen Moment schien er wieder der Logan zu sein, den sie seit Ewigkeiten kannte – den sie geliebt hatte. Doch dann verflog der Moment.

„Veronica, du bist doch nicht ohne Grund hier. Du hättest mir nur mehr vertrauen müssen, aber das konntest du ja nie. Mehr habe ich nie erwartet, nur etwas Vertrauen. Es hätte alles anders sein können – wenn du mir nur vertraust.“

„Mr. Echolls, ich habe mit Snyder gesprochen. Er hat mir bestätigt, dass sie für die Aufnahme von den zwei anderen gezahlt haben. Er meint, ich soll ihnen die anderen zeigen.“

Logan drehte sich grinsend herum. „Mr. Smith – sie sind unser Mann. Zuverlässig und gründlich. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn sie sich nicht vorher abgesichert hätten. Das gibt mir ein gutes Gefühl, was unsere Zusammenarbeit mit ihnen und ihrem Boss angeht.“

Logan klopfte ihm auf die Schulter und Smith sah stolz zurück. „Nun, ich denke, Donn wird auch sehr erfreut sein, mit ihnen zu arbeiten.“

„Sie sprechen ihren Boss mit dem Vornamen an?“, fragte Dick lässig.

„Nun ja – also...“, druckste Smith herum. „Wenn er nicht im selben Raum ist, rutscht es mir schon manchmal raus.“

Die drei Männer gingen Richtung Lastenaufzug und ließen Veronica zurück. Sie konnte noch Dicks abfälligen Blick in Reichung Smith erkennen. 'Was für ein Vollidiot', schien er zu sagen.

Mutlos sank Veronica auf den Boden zurück. Adam war wütend auf sie und würde die nächsten Tage schmollen. Und auch ihr Dad ahnte nichts von alledem hier. Keiner wusste, wo sie war, einschließlich sie selbst. Und Logan und Dick waren vollkommen verrückt geworden. Es musste doch eine Lösung geben. Es gab immer eine Lösung! Sie musste sie nur finden.







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