nisa: Undisclosed Desires - Teil 1
Datum: Freitag, 12. März 2010 @ 21:15:37 Uhr
Thema: Character Appreciation Month



Autor: nisa
Titel: Undisclosed Desires
Inhalt: Eine Reise... nach London... in die Vergangenheit... zu einer längst verlorenen Liebe - vielleicht...
Spoiler: spielt zwischen 2. und dritter Staffel... im Sommer der abwesenden Buffy...
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 1/5
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert. - Der Song "Undisclosed Desires" gehört Muse.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Ethan Rayne/Rupert Giles
Kommentar: Da Ethan Rayne für mich untrennbar mit Giles verbunden bleibt und der ja doch eine meiner Lieblingsfiguren ist - weil immer für eine Überraschung gut - hab ich mich auch an einer Story für die Ethan-CAM probiert. Obwohl ich das Gefühl habe, an der Charakterisierung dieser Figur zu scheitern und sie in diesem Teil auch erst mal nur indirekt auftaucht... hier der Auftakt zu meinem Beitrag... Es ist gleichzeitig auch eine Songfic, weil ich die Geschichte rund um das wunderbare Lied von Muse geschrieben und dort auch den Titel geklaut habe... ;-)



 

 

~*~*~Undisclosed Desires – Teil 1~*~*~

Er hätte es wissen müssen. – Dinge, die in der Vergangenheit nicht vernünftig geregelt werden, kommen irgendwann wieder zurück und schlagen mit voller Wucht neue Kerben in alte Wunden.

Und der dadurch verursachte Schmerz ist vielleicht noch viel schlimmer als damals...

I know you've suffered

But I don't want you to hide

 

Als Giles die Einladung zur Jahressitzung des Wächterrates nach London erhielt, hatte ihn ein merkwürdiges Gefühl beschlichen. – Erinnerungen.

Aber er hatte das als alberne Gefühlsduselei abgetan und den Flug gebucht, ohne auch nur zu überlegen, ob es eine gute Idee wäre, im Juli nach London zu reisen. – Was hatte er auch für eine Wahl? Er erhoffte sich Hilfe und ein paar sinnvolle Ratschläge vom Wächterrat, was er in seiner gegenwärtig desolaten Lage unternehmen solle... ohne Jägerin...

Der Monat hatte eine gewisse nostalgische Bedeutung für Giles. Jedes Jahr, wenn er am ersten Juli seinen Kalender umblätterte, um den aktuellen Monat an der Wand zu verkünden, musste er an ihn denken – an Ethan Rayne und an die letzte Begegnung mit ihm, in einer heißen Juli-Nacht in London 1980...

An den genauen Tag konnte er sich nicht mehr erinnern. – Er hatte sich damals in einem extremen emotionalen Aufruhr befunden und die Ereignisse hatten sich zu einer undurchdringlichen Masse verformt, die nicht mehr klar zu trennen war. Aber dass es Juli gewesen war, das wusste er noch.

Wenn Giles an Ethan dachte, fühlte er immer noch die Hitze auf seiner Haut, die an diesem Tag geherrscht hatte – als er gegangen war, ohne sich umzudrehen. Nein, nicht gegangen... gerannt...

Doch ebenso regelmäßig, wie ihn die Erinnerung zum Jahrestag überkam, vertrieb der Wächter jeden Gedanken an den anderen Mann energisch.

Im Spät-Herbst des letzten Jahres war Ethan plötzlich wieder aufgetaucht – in Sunnydale. Natürlich hatte er nichts Gutes im Schilde geführt und ziemliche Unruhe verursacht. Insbesondere bei seinem zweiten Besuch hatte Giles ein Gefühl unbändiger Mordlust ihm gegenüber kaum unterdrücken können. Er hatte Eyghon nach Sunnydale gebracht und damit seine Schützlinge und vor allem Jenny bedroht. Das war unverzeihlich.

Andererseits – er selbst war dafür verantwortlich, dass der Dämon überhaupt herbeigerufen worden war. Aus dieser Perspektive konnte er Ethan nicht wirklich die Schuld an all dem Chaos geben, das sich abgespielt hatte. Allerdings hatte er es gewagt, seine Jägerin in enorme Lebensgefahr zu bringen – das war in der Tat eine Ungeheuerlichkeit.

Zumal mittlerweile die Lage noch viel schrecklicher war als vorher: Jenny war tot, Buffy verschwunden, er saß in Sunnydale auf einem Höllenschlund ohne eine kompetente Jägerin – und er hatte nicht den leisesten Schimmer, wie er in die Zukunft blicken sollte.

Der Gedanke an Ethan und seine zweifelhaften Auftritte im letzten Herbst halfen nicht unbedingt, die Laune von Giles zu heben. Der Grund dafür lag aber weniger in der Empörung darüber, was der andere sich in Sunnydale geleistet hatte. Vielmehr fühlte der Wächter tief in sich eine Schuld, die er niemals wieder würde gut machen können. Ethans Hass ihm gegenüber war für ihn mehr als nachvollziehbar. Wenn Giles ehrlich mit sich selbst war, dann assoziierte er mit dem anderen Mann nach wie vor etwas anderes als jene Feindschaft, die er vor seinen Schützlingen in Sunnydale zur Schau getragen hatte. Vielmehr überflutete ihn eine Welle von Schmerz und Trauer, wenn er an jene letzte Begegnung im Juli 1980 dachte – großes Bedauern über eine unwiederbringliche Nähe und Vertrautheit.

Und er wusste, dass der andere genauso litt. Nur daher kam all die Wut, die Ethan ihm bei jeder neuen Begegnung entgegen brachte. Es war nicht notwendig, darüber zu diskutieren, inwieweit Wut die rechte Reaktion war. Doch immerhin schaffte der andere damit, was Giles nicht gelang: Er hatte einen Weg gefunden, seine Gefühle von damals zu kompensieren. Der Wächter dagegen versteckte sie. Immer noch.

 

It's cold and loveless

I won't let you be denied

 

Bei der Ankunft auf dem Flughafen in London/Heathrow schlug Giles bereits die schwere Hitze des Julis entgegen. Es hatte seit mehr als zwei Wochen – ziemlich untypisch für London – nicht ein einziges Mal geregnet. Die Luft war trocken und brannte auf der Haut. Giles, der zwar die stetige Sonne in Sunnydale gewöhnt war, aber hier nicht mit solcher Hitze gerechnet hatte, tat sich schwer mit dem Klima und brach sofort in Schweiß aus.

 

Als er in seinem Hotel, das sehr zentral in einer der Seitenstraßen der Downing Street lag, ankam, musste er feststellen, dass die europäischen Klimaanlagen bei Weitem nicht das leisteten, was in den USA Standard war. Sofort nachdem er seinen Koffer abgestellt hatte, riss er die Fenster des Raumes auf. Das erwies sich jedoch nicht unbedingt als intelligent, da von draußen weitere Hitze in das Zimmer drang.

 

Giles stöhnte auf und lockerte den Knoten seiner Krawatte. Nachdem ihm dies keinerlei Erleichterung zu bringen schien, zog er den Schlips komplett aus, entledigte sich seiner Weste und und öffnete umständlich sein Hemd. Schließlich befreite er seinen Oberkörper gänzlich vom Stoff.

 

Am frühen Abend in einem fremden Raum unbekleidet herumzulaufen – das war irritierend. Giles nahm seine Brille ab und griff automatisch nach seiner Jackett-Tasche, in der sich das Brillenputztuch befand. Erst als er seine klebrige Haut berührte, wurde ihm klar, dass er diese schon viel länger als das Hemd ausgezogen hatte.

 

Er seufzte erneut und trat zu dem Schreibtisch, der vor einem der Fenster stand, um die Brille dort abzulegen. Aus dem Augenwinkel erkannte er, dass auf dem Tisch ein Brief lag. Er zog den Schreibtischstuhl zur Seite und setzte sich.

 

Minutenlang betrachtete er den Brief – oder besser gesagt die Handschrift, in der sein Name auf dem Papier sorgfältig aufgetragen worden war. Blaue Tinte. Lang gezogene Linien mit leichtem Einschlag nach rechts. Er kannte diese Handschrift. Hatte sie lange nicht mehr gesehen.

 

Giles schauderte. Plötzlich fror er enorm. Der Schweiß auf seiner Haut war kalt und fühlte sich mehr als unangenehm an. Doch er schaffte es nicht, sein Hemd, das er aufs Bett geworfen hatte, zu holen und sich zu bekleiden. Statt dessen saß er nach wie vor steif am Schreibtisch und starrte auf den Brief. Er fühlte sich sehr verlassen.

 

Wie auch immer der Absender herausgefunden hatte, dass er nach London kommen und gerade in diesem Hotel absteigen würde... er hatte ihn gefunden. Und er erlaubte ihm nicht, sich den Erinnerungen zu entziehen.

 

Soothing

I'll make you feel pure

 

Nach einer Ewigkeit griff Giles nach dem Umschlag und öffnete ihn langsam. Es fühlte sich an, als würde jemand über eine alte Wunde, die nie richtig verheilt war, streichen – tröstend, um den Schmerz zu lindern.

 

Ein einzelnes Blatt Papier lag in dem Umschlag. Giles umfasste es wie in Trance mit seiner rechten Hand und zog es heraus. Es war einmal gefaltet. Mit dem Daumen schob er sich zwischen die Falz und öffnete so das Blatt. Es stand nicht viel darauf. Aber die wenigen Worten lösten eine Welle von Emotion in Giles aus, die ihn zitternd zurück schrecken ließ. Das Papier segelte den kurzen Abstand zwischen seiner Hand und der Schreibtischunterlage herunter. Dort blieb es aufgeklappt liegen. Die Worte starrten Giles auffordernd an:

„Mitternacht, Surprise View – bitte“

 

Trust me

You can be sure

 

Giles dachte nicht einen Augenblick darüber nach, ob er der merkwürdig befehlenden und gleichzeitig doch bittenden Aufforderung nachkommen sollte. Er vertraute darauf, dass diese Einladung – wie auch immer sie ausgehen sollte – ein Angebot war. Auf Versöhnung vielleicht, für ein Gespräch gewiss...

 

Es war bereits Abend. Aber es blieben noch einige Stunden bis Mitternacht. Langsam setzte Giles sich in Bewegung. Eine Dusche wäre nicht schlecht.

 

~*~*~Undisclosed Desires – Ende Teil 1~*~*~

 

 







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