Dreamer: Tiefe Wälder - EPILOG - Teil 13
Datum: Donnerstag, 11. März 2010 @ 20:38:48 Uhr
Thema: Alternate Universe



Autor: Dreamer
Homepage: http://www.dragonbook.de
Titel: Tiefe Wälder - EPILOG
Inhalt: Nach einem scheinbar harmlosen Verkehrsunfall macht Buffy die Bekanntschaft zweier Männer und noch während sie am Rätseln ist, warum beide eine ungeheure Faszination auf sie ausüben, häufen sich die merkwürdigen Zwischenfälle...
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 13/13
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Buffy/Angel; Buffy/Spike
Kommentar: Der Epilog ist wieder, wie die ersten acht Teile der Geschichte, für alle lesbar.



 

Tiefe Wälder

Epilog

 

Der Tag an dem Dawn Summers starb, versprach ein ebenso schöner Sommertag zu werden wie die Tage zuvor. Es hatte nachts geregnet und der trockene Boden hatte gierig die Feuchtigkeit aufgesogen. Der Staub des Sommers war von Blättern und Blüten gewaschen worden und die Morgensonne ließ alle Farben viel klarer und strahlender erscheinen. Es schien, als hätte der Regen die Welt sauber gewaschen und zurück blieb ein Farben- und Duftgemisch, das einem die Sinne betörte.

Dawn war natürlich nicht wirklich gestorben, aber es fühlte sich für sie so an. Ein bleischweres Gewicht, das sie über Jahre hinweg zu Boden gedrückt hatte, verschwand mit einem Wimpernschlag und für sie war es, als hätte ein neues Leben angefangen.

Dabei hatte alles auf den ersten Blick so normal angefangen. Sie hatten draußen auf der Terrasse gefrühstückt, umgeben von einem Blütenmeer, um das die Hälfte aller Gärtnereien Dawns Schwester Buffy beneiden mussten. Im Sonnenlicht waren Schmetterlinge zu sehen gewesen, zarte, filigrane Geschöpfe, deren Flügel in den bezauberndsten Farben leuchteten.

Buffy hatte ein prachtvolles Frühstück aufgefahren mit allen Dingen, die man sich nur wünschen konnte und noch einigen, von denen Dawn nicht mal gewusst hatte, dass jemand sie zu so einer frühen Uhrzeit vertilgen würde.

Es hatte nach Kaffee und Tee geduftet. Buffy hatte ihre kleine Schwester hemmungslos damit geneckt, dass diese sich seit ihrem Studium in Europa das Tee trinken angewöhnt hatte und die Kinder hatten ihre Toasts in den Kakao eingetunkt. Buffy hatte gelacht, als die kleine Joyce ihre Tasse umgekippt hatte. Überall hatte sich Kakao verteilt und Faith, nur zwei Jahre jünger als ihre große Schwester, hatte geschrieen, als der Kakao sich ihrem Malbuch näherte.

Es war das Malbuch, das Faith überall mit hinschleppte und das Dawn verdächtig an ihre eigene große Schwester erinnerte. Auch Faith zeichnete darin nicht nur die Figuren nach, die auf den Blättern vorgedruckt waren, sondern entwarf eigene Personen. Noch hatten sie die Namen ihrer Kindergartenlehrerin oder von den Eltern ihrer Freunde, aber Dawn wusste, es war nur eine Frage der Zeit bis auch Faith anfing eigene Geschichten und Charaktere zu entwickeln.

Dawn war zu jung gewesen, um diese Entwicklung bei Buffy bewusst mitzubekommen, aber jetzt sah sie, wie ihre kleine Nichte anfing zu zeichnen und es war, als wiederholte sich alles.

Dawn schluckte. Der Gedanke, das sich alles wiederholte, war es, der sie in diesem Sommer zusammen mit ihrem Freund zu Buffy getrieben hatte.

Es war ein langer Weg gewesen. Nicht von der Großstadt in der sie inzwischen lebte und arbeitete, sondern von dem jungen, dummen Mädchen, das nach Europa ging zu studieren, zu der jungen Frau, die sie jetzt war.

Die junge Dawn war neidisch und eifersüchtig auf ihre große Schwester gewesen. Sie hatte Buffy um alles beneidet. Darum, dass sie älter war und schon viel früher einen Freund hatte. Darum, dass sie verständiger war und ihre gemeinsame Mutter einige Dinge mit ihr besprach, die Dawn nicht zu hören bekam. Und vor allem darum, dass ihr gemeinsamer Vater Zeit mit Buffy verbracht hatte, während Dawn ihn nur von Fotos kannte. Er hatte sie angerufen, ebenso wie er Buffy angerufen hatte, aber es war etwas anderes gewesen. Während er bei Buffy von Dingen sprach, die sie beide gemeinsam gesehen oder erlebt hatten, fragte er Dawn nur nach der Schule, nach ihrer Mutter oder danach, was sie mal werden wollte.

Jetzt, Jahre später, begriff Dawn, dass er sie nicht hatte verletzen wollen. Er kannte sie einfach nicht und hatte nie die Chance gehabt, sie aufwaschen zu sehen. Nicht so, wie er Buffy gesehen hatte. Ihre Mutter hatte sich von ihm getrennt, als Dawn noch ein Säugling gewesen war und so waren sie sich fremd geblieben.

Er hatte ihr Geschenke gemacht. Zu jedem Geburtstag war etwas gekommen, aber genau wie bei Buffy nahm ihre Mutter es fort und Dawn sah es nie wieder. Sie begriff erst später, dass ihre Mutter Angst gehabt hatte, er hätte ihr etwas Gestohlenes geschenkt. Sie war jedoch zufrieden damit gewesen, weil sie gesehen hatte, dass auch Buffy die Dinge nicht behalten durfte.

Dann eines Tages, hatte Buffy sie angerufen und ihr erklärt, dass ihr Vater ihr ein Haus vererbt hatte.

Er hatte es Buffy vererbt, nicht Buffy und Dawn. Nur Buffy. Ganz so, als hätte er vergessen, dass er zwei Töchter hatte.

Das hatte geschmerzt, aber sie hatte es Buffy nicht zeigen können. Buffy konnte nichts dafür und war ebenso verwirrt wie Dawn. Sie waren gemeinsam zum Anwalt gefahren und hatten dort erfahren, dass Hank Summers das Haus Buffy vermacht hatte, als diese gerade einen Tag alt gewesen war. Dawn hatte es zu dem Zeitpunkt noch nicht gegeben und insofern hatte Dawn eigentlich keinen Grund eifersüchtig oder verletzt zu sein. Buffy sagte ihr, dass sie fand, dass dieses Haus ihnen beiden gehörte und Dawn liebte ihre Schwester dafür.

Dennoch. Als sie die erste Nacht gemeinsam mit Buffy in dem kleinen Haus mitten im Wald verbrachte, wusste Dawn, dass dieses Haus nie ihr gehören würde. Es lag mitten in der Wildnis, umgeben von tiefen Wäldern. Etwas, was Dawn nicht im Entferntesten erstrebenswert fand. Es war klein und gemütlich, aber nicht luxuriös. Es war nicht das, was Dawn von einem erfolgreichen Einbrecher und Dieb erwartet hätte. So war sie eigentlich nicht enttäuscht, als Buffy sich sichtlich in das Haus verliebte, aber sie war verletzt, weil es wieder etwas war, was nur Buffy von ihrem Vater besaß.

In der Nacht schlich Dawn ziellos im Haus umher. Sie war auf der Suche, wusste nicht wonach oder warum genau, aber sie konnte auch nicht in das kleine Gästezimmer gehen und einschlafen. Sie lief herum, beobachtete, wie das fahle Mondlicht Schatten in die Räume warf und genoss für einige Zeit die Ruhe, die in dem kleinen Haus herrschte.

Sie gähnte und wanderte weiter. Irgendwann stießen ihre nackten Füße gegen etwas, das am Boden lag. Eine Unebenheit, dachte sie zuerst und war verwundert darüber. Aber als sie sich niederkniete, merkte sie, dass die Unebenheit eine Diele war, die sich nicht ganz zwischen den anderen einfügte.

Ihr fielen Geheimverstecke ein, die man unter Dielen wie diese einrichten konnte, und sie lächelte bei dem Gedanken. Es war kindisch und albern, das wusste sie und doch konnte sie nicht verhindern, wie ihre Finger unter das Holz schlüpften. Da wird nichts sein, sagte eine Stimme in ihrem Kopf, ihr Verstand, aber sie tastete den Boden beinah trotzig weiter ab und gerade in dem Augenblick, wo sie die Hand zurückziehen wollte, spürte sie etwas.

Dawn sog scharf Luft ein. Da war wirklich etwas unter der Diele. Unglaublich. Sie streckte die Finger etwas weiter aus und fühlte Stoff unter ihren Fingerspitzen. Festen, harten Stoff und darin... Sie zog einen kleinen Beutel unter der Diele hervor. Ungläubig musterte sie ihn. Sie wusste, es war kein Zufall, dass der Beutel unter der Diele verborgen lag. Er war absichtlich versteckt worden.

Neugierig öffnete sie das Zugband und schüttete den Inhalt des Beutels in ihre geöffnete Hand.

Eine Weile war sie sprachlos.

Der Mond, der durchs Fenster hineinsah, fand Dawn am Boden sitzend vor, ruhig und ungewöhnlich schweigsam, und in ihren Händen? Glitzerten viele kleine und größere Juwelen.

Dawn dachte nicht weiter darüber nach, als sie den Schmuck einsteckte. Buffy hatte das Haus und Buffy wusste nicht einmal etwas von dem Schmuck. Es wäre nur gerecht, fand Dawn und verdrängte jeden Versuch ihres schlechten Gewissens sich zu melden.

Sie ging danach zum Studieren nach Europa. Die Steine waren in ihrem Gepäck. Sie trug sie nie, holte sie auch nie hervor, um sie anzusehen und dennoch brannten sie ihr Löcher in die Taschen. Als Buffy ihren Unfall hatte, hatte Dawn sie dabei. Sie wollte sie heimlich wieder in das Haus zurückbringen, aber dann ging es Buffy schlecht und niemand wusste, ob sie überhaupt überleben würde und alles war so durcheinander, so verwirrend und beängstigend, und Dawn tat etwas, wovon sie nie geglaubt hatte, dass sie es tun würde. Sie vergaß die Steine und sie erinnerte sich erst wieder daran, als sie im Flieger zurück nach Paris saß.

Die Steine wurden immer schwerer in ihrem Gepäck und es verging kaum ein Gespräch mit Buffy, in dem Dawn nicht versucht war etwas zu sagen. Doch dann war so viel Zeit vergangen und Dawn wusste nicht mehr, was genau sie sagen sollte, wie sie es ihrer großen Schwester erklären sollte, dass Dawn, obwohl Buffy immer alles für sie getan hatte, sie bestohlen hatte. So schwieg sie. Fuhr zu Buffys Hochzeit und feierte mit ihr und ihren Freunden. Besuchte Buffy nach der Geburt ihrer ersten Tochter und spürte den Schmuck in ihrer Tasche. Sie wollte die Juwelen ihrer kleinen Nichte schenken, doch sie brachte es nicht über sich. Dawn wusste genau, dass Buffy nachfragen würde, woher der Schmuck stammte.

Dawn kam zurück in die Vereinigten Staaten und sie richtete sich ihr Leben ein. Sie hatte einen guten Job, Freunde, einen Geliebten, und Juwelen, die sie lieber vergessen wollte. Die Männer an ihrer Seite kamen und gingen. Sie war beliebt, schön und lustig. Keiner blieb lange genug, um hinter ihre Fassade zu sehen. Und dann kam Tony. Etwas älter als Dawn und er war alles, was sie an einem Mann unattraktiv fand. Er arbeitete für eine Versicherung und sein Lieblingssport war das Heben der Fernbedienung, wenn er abends vor dem Fernseher hockte. Doch er kochte die weltbeste Lasagne und er gab süchtigmachende Fußmassagen. Sie verliebte sich in ihn. Sie wusste nicht, warum, aber sie tat es und als er sie fragte, ob sie ihn heiraten wollte, fing sie an zu weinen. Sie wollte ihn heiraten. Sie wollte, dass ihre Schwester und ihr Mann, ihre beiden Nichten dabei wären, wenn sie sich in einer niedlichen, kleinen Kirche, in der sein Bruder der Pfarrer war, das Ja-Wort gaben. Sie wollte all das, aber sie konnte es nicht. Nicht solange die Juwelen da waren.

So fuhren Tony und sie gemeinsam zu ihrer Schwester.

Und während Joyce darüber lachte, wie ihr Dad ihr einen Zauberkakao machte und Faith beruhigt auf ihr Malbuch starrte, das keinen Fleck abbekommen hatte, zog Dawn plötzlich den kleinen, samtigen Beutel hervor.

Wortlos legte sie ihn vor sich auf den Tisch.

Die Kinder bemerkten nichts, aber die drei Erwachsenen erstarrten. Tony sah Dawn aufmunternd an. Er kannte Buffy noch nicht gut genug, um zu wissen, ob sie wütend oder böse über Dawns Handlung wäre, aber er liebte Dawn für ihren Mut und ihre neu gefundene Ehrlichkeit.

Buffy dagegen starrte auf den Beutel und sie wusste, ohne nachzusehen, was sie darin finden würde. Sie schluckte leicht, ehe sie zu ihrem Mann hinüber sah. Ihrem Ehemann. Wie eigenartig sich das immer noch anhörte. Wie fremd und vertraut zugleich. Selbst nach acht Jahren. Sie begegnete seinem Blick und es war klar, das er dasselbe dachte wie sie.

„Ich habe sie genommen,“ begann Dawn leise, aber ihre Stimme wurde kräftiger mit jedem Wort, das sie sagte. Joyce und Faith sahen auf und bemerkten den Beutel auf dem Tisch. Neugier zeigte sich in den Gesichtern der Kinder. „Damals, als wir die erste Nacht hier verbrachten.“

„Ich erinnere mich,“ sagte Buffy ebenso ruhig.

Dawn fragte sich, warum Buffy nicht nachsah, was in den Beutel war.

Entschlossen schob Dawn den Beutel weiter über den Tisch auf Buffy zu, doch diese rührte sich immer noch nicht. Sie blickte den Beutel einfach nur an.

„Er war unter einer Diele verborgen,“ erklärte Dawn und hörte überrascht, wie Buffys Mann auflachte.

„Das passt,“ stieß er hervor, aber auch er rührte sich nicht.

Dawn runzelte überrascht die Stirn. „Ich... willst du nicht wissen, was drin ist?“

Buffy schüttelte den Kopf. Dawn beobachtete, wie sie tief Luft holte und auf einmal war da dieses Lächeln, dieses Lächeln, was Buffy von innen heraus strahlen ließ. Dawn musterte sie überrascht. „Aber... es gehört dir. Es war hier im Haus und...“

„Behalt sie,“ sagte Buffy ruhig und griff mit einer Hand nach der Hand ihres Mannes. Dawn beobachtete, wie Buffys Finger sich mit seinen verschränkten. „Ich brauche sie nicht und du hast von Dad nichts bekommen.“

„Er... er wusste nicht, dass es mich gab, als er dir das Haus hinterließ,“ entschuldigte Dawn ihren unbekannten Vater. „Und die Juwe...“

„Behalt sie!“ unterbrach Buffy sie und nickte entschlossen. „Sieh es als Hochzeitsgeschenk an.“

Dawn war verwirrt. Sie erinnerte sich an andere Momente, in denen sie ähnliche Gespräche mit ihrer Schwester geführt hatte. Es war nicht so, dass Dawn eine Kleptomanin gewesen war, aber sie war eine kleine Schwester gewesen und Buffy schien immer die schöneren Sachen zu haben. Jedes Mal, wenn Dawns Mom sie erwischt hatte, hatte sie Dawn gezwungen ihre Taten bei Buffy zu beichten und es war immer auf einen Brüllwettkampf der Schwestern hinausgelaufen. Buffy hatte Dawn angeklagt und Dawn hatte Buffy beschimpft. Sie hatten geschrieen und geheult, manchmal hatte eine die andere sogar an den Haaren gezogen und oft genug hatte Joyce sie beide trennen müssen.

Dieses Mal jedoch saß Buffy ruhig am Tisch und hielt die Hand ihres Mannes. Sie sah nicht einmal neugierig aus.

Fragend blickte Dawn zu Tony hinüber, der ihr aufmunternd zulächelte. Er war nicht reich und würde es auch nie sein, und die Chance, dass er jemals seiner Frau solche Juwelen schenken konnte, war mehr als nur gering. Er wusste auch, dass sie Schmuck liebte, und er freute sich, das sie auf diese Art zwei Dinge gleichzeitig geschafft hatte: Sie war ihr schlechtes Gewissen los geworden und sie konnte ganz beruhigt sagen, ihr Vater hatte auch ihr etwas vermacht.

„Vielleicht für Joyce und Faith?“ fragte Dawn dennoch und deutete mit dem Gesicht auf die beiden Mädchen, die mit großen, neugierigen Augen auf den Beutel blickten.

Buffy schüttelte den Kopf. „Sie haben alles, was sie brauchen und sogar noch mehr. Behalte sie ruhig. Ich glaube, Dad hätte gewollt, dass du sie hast.“

Und Buffy lächelte.

Ende

Vielen lieben Dank an alle meine Leser, saßen sie nun im Spuffy oder Bangel Lager.

Mir hat diese Geschichte sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich über jeden Eurer Kommentar sehr gefreut!

Danke auch an die anonymen Leser!!!







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