Silentthunder: The edge of darkness - Teil 7
Datum: Donnerstag, 11. März 2010 @ 20:37:02 Uhr
Thema: Alternate Universe



Autor: Silentthunder
Homepage: http://www.thunder-of-silent.de/
Titel: The edge of darkness
Inhalt: William prüft all die Papiere seines Vaters wieder und wieder, doch er kann einfach keine Klausel entdecken, die ihn als Erben ausschließt. Warum nur kann Elisabeth sich nicht auf seine Aussage verlassen und macht sich noch immer Sorgen?
Altersfreigabe: alle Altersklassen
Teil: 7/15
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Elisabeth/William
Kommentar: Vielen lieben Dank an alle Leser, Punktegeber und Kommischreiber! Vor allem aber meiner Beta, Lorias, die immer für mich da ist! Viel Spaß beim Lesen...



 

Teil 7

Elisabeth verbrachte eine lange Zeit damit, über die seltsamen Geschichten der Hausdame nachzugrübeln. Eine Woche überlegte sie hin und her, wog das Für und Wider ab und entschied sich schließlich doch dafür, gar nichts zu unternehmen. Vielleicht war alles, was Sarah Walters auf ihrem Totenbett gesagt hatte, nichts weiter als verquere Phantasien, die ihrem wirren Kopf entsprungen waren. Auch, wenn Elisabeth das eigentlich nicht glaubte. Sie hatte die Angst in den Augen der Hausdame gesehen und das war ein Anblick, den sie gewiss nie wieder vergessen würde.

Für einen kurzen, winzigen, Augenblick hatte Elisabeth sogar in Erwägung gezogen, den jungen Herrn ins Vertrauen zu ziehen. Doch genauso schnell hatte sie den Gedanken wieder verworfen. Er hasste seine Stiefmutter aus tiefstem Herzen und Elisabeth mochte sich gar nicht ausmalen, was geschah, wenn er sie ungerechtfertigterweise des Mordes an seinem Vater bezichtigte.

Für die ganze absurde Geschichte gab es keinerlei Beweise und ohne Beweise war jeder Gedanke daran reine Verschwendung.

*~*~*

„Kannst du bitte heute den Salon übernehmen?“ Die gute Willow stand urplötzlich vor ihr und Elisabeth erschrak furchtbar.

„Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen“, sagte das rothaarige Dienstmädchen und machte ein besorgtes Gesicht. „Ist alles in Ordnung mit dir?“

„Ja, ja“, winkte Elisabeth ab und setzte ein falsches Lächeln auf. „Ich war nur in Gedanken und habe dich gar nicht kommen hören.“ Dann runzelte sie die Stirn. „Du hattest gerade etwas gesagt, oder?“

„Das habe ich allerdings“, lachte Willow. „Ich habe dich gefragt, ob du heute den Salon übernehmen kannst. Tara ist krank und fällt heute aus. Deswegen…“

„Sicher“, nickte Elisabeth und war beinahe dankbar für die Frage. Mary hatte sie zum Gemüseputzen verdonnert und es gab kaum eine langweiligere Tätigkeit. „Allerdings weiß ich nicht, wer dann das hier übernehmen soll“, sagte sie und zeigte auf den großen Berg von Kartoffeln, der darauf wartete, aus seiner Schale befreit zu werden.

 

„Das darf ich dann wohl übernehmen“, sagte Alexander Harris mit Leidensmiene. Er kam gerade zum rechten Zeitpunkt in die Küche, blieb vor den beiden Mädchen stehen und seufzte vernehmlich. „Wie tief kann man eigentlich noch sinken?“ Er schüttelte den Kopf, wusch sich dann schnell die Hände und verjagte Elisabeth von ihrem Platz. „Husch, ihr beiden“, sagte er und wedelte mit den Armen. „Tut, was immer ihr tun müsst.“

Doch so leicht ließen sich die Beiden nicht vergraulen und eine Weile sahen sie dabei zu, wie aus rundlichen Kartoffeln langsam eckige wurden, und kicherten, als Alexander sie böse anfunkelte. „Habt ihr beiden denn nichts Besseres zu tun, als einem hart arbeitenden Mann auf die Finger zu sehen?“ Diese Art von Aufgabe kränkte seine Männlichkeit und er wollte keine Zuschauer.

„Das frage ich mich allerdings auch gerade“, sagte Mary, die lautlos die Küche betreten hatte und beide Hausmädchen zuckten zusammen.

„Wir sind schon weg“, sagte Elisabeth und beide flitzen in verschiedene Richtungen davon. Doch dann warf Elisabeth einen letzten Blick in die Küche. „Gibt es im Salon etwas, dem ich ein besonderes Augenmerk schenken muss?“, erkundigte sie sich, doch Mary schüttelte den Kopf.

„Nein. Dir wird dort nichts begegnen, dass du nicht schon kennst!“

*~*~*

Fast zwei Stunden später drehte sich Elisabeth einmal um sich selbst, um noch einmal ein Blick auf ihr Werk zu werfen. Hatte sie auch wirklich an alles gedacht? Die Möbel waren abgestaubt und das dunkle Holz glänzte, die Fenster waren geputzt, jeglicher Zierrat vorsichtig gesäubert und sogar den Kamin hatte sie ausgefegt, obwohl er am Abend zuvor nicht einmal benutzt worden war.

„Ich denke, ich habe nichts vergessen“, murmelte Elisabeth, griff nach dem Henkel des Eimers und zuckte zusammen, als die Tür des Salons ganz unvermittelt aufgerissen wurde.

„Da seid Ihr ja“, sagte William Hampton, warf einen letzten prüfenden Blick in den Korridor und schlüpfte vollends in den Raum.

„Was kann ich für Euch tun, Master Hampton?“ Elisabeth war verblüfft und stellte den Eimer wieder ab.

„Ich wollte nach Euch sehen“, sagte er, „ mich vergewissern, dass es Euch gut geht.“

„Danke, aber das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Mir geht es“, beinahe hätte sie ausgezeichnet gesagt, doch dann hätte er sie sicherlich für verrückt gehalten. „Mir geht es den Umständen entsprechend.“

„Das ist gut zu hören“, nickte er und seine blauen Augen musterten sie eingehend. „Habt Ihr Ruhe vor meiner Stiefmutter?“

„Allerdings“, nickte Elisabeth und fühlte sich merkwürdig unwohl. Vielleicht war sie einfach schon zu sehr ein Dienstmädchen, denn sie wusste kaum, wie sie sich verhalten sollte. „Offensichtlich reicht es meiner werten Tante, mich unter den Dienstboten zu wissen. Ich habe sie seit Wochen nicht mehr zu Gesicht bekommen.“

Einen Moment sah er sie wortlos an. „Eigentlich bin ich gekommen, um mit Euch noch einmal über unser letztes Gespräch zu reden.“ Wieder machte er eine Pause.“ Ich bin sämtliche Unterlagen meines Vaters durchgegangen. Mehrfach! Und es gibt nichts, rein gar nichts, womit Lady Margret mir den Antritt meines Erbes verweigern könnte.“

 

 

„Das ist schön“, sagte Elisabeth. Trotzdem kam nach wie vor keine Freude in ihr auf.

„Wenn diese Nachricht so positiv war, warum seht Ihr dann aus, als glaubtet Ihr kein Wort von dem, was ich sage?“

„Ich glaube Euch durchaus“, sagte sie schnell, denn es war offensichtlich, dass sie ihn beleidigt hatte. „Vielleicht bin ich einfach nur verunsichert, vielleicht möchte ich mir auch nur keine allzu großen Hoffnungen machen, die dann doch wieder zerstört werden.“ Sie zuckte andeutungsweise mit den Schultern. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Lady Margret einen Trumpf in der Hinterhand hält.“ Und weil der Hausherr den Kopf schüttelte, sprach sie schnell weiter. „Möglicherweise gilt dieser Trumpf nicht für Euch, aber gewiss für mich.“ Wieder seufzte sie. „Ich weiß einfach, dass Eure Stiefmutter, meine werte Tante, niemals aufgeben wird, bevor sie erreicht hat, was sie will.“

Für einen Moment sah es so aus, als wollte William Hampton widersprechen, doch dann lächelte er. „Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schwierig es war, Euch zu finden. Da es mir nicht möglich ist, direkt nach Euch zu fragen, habe ich den gewissenhaften Hausherrn gespielt und mich erkundigt, ob auch alle Dienstboten fleißig ihrer Arbeit nachgehen. Ein paar Fragen weiter, und ich wusste, dass sage und schreibe gerade jetzt sieben Dienstmädchen durch Hampton Court wirbeln.“ Er lachte leise. „Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass der Salon der siebte Raum war, in den ich geguckt habe.“ Nun lachte er ein wenig lauter. „Ich glaube, ich habe auf dem Weg durch das Haus einige sehr verschreckte Dienstmädchen hinterlassen.“

Elisabeth lächelte nun ebenfalls, doch dann gefror das sanfte Lächeln zu einer Grimasse. Wieder einmal schien Lady Margret zu ahnen, dass etwas in Hampton Court vor sich ging, von dem sie nichts wissen sollte. Wie schon beim ersten Gespräch mit dem jungen Hausherrn hallte ihre Stimme über den Flur und sie klang alles andere als glücklich und zufrieden.

„William? William! Wo in Drei Teufels Namen steckst du schon wieder?

„Wenn sie mich hier findet … hier, mit Euch zusammen….“ Hektisch blickte Elisabeth sich um. Es gab keine Verstecke im Salon und sie wurde langsam panisch, doch da hatte der junge Herr sich schon an den Schultern gepackt und schob sie zur Wand. Was genau er gemacht hatte, hatte Elisabeth nicht gesehen, aber es knackte leise und eins der Regale sprang zur Seite und öffnete den Weg in ein geheimes Versteck.

„Rasch, hinein“, flüsterte der junge Hausherr, eilte dann zurück, um all die Putzutensilien einzusammeln. „Ich befreie Euch, so schnell wie es geht“, raunte er Elisabeth zu und verschloss den Geheimgang wieder.

Durch einen schmalen Schlitz im Holz konnte Elisabeth sehen, dass er selbst sich ans Fenster stellte und hinaus in den Park blickte, ganz so, als stünde er bereits seit Stunden still.

*~*~*

„Was sollen diese Spielchen, William? Wütend fauchend rauschte Lady Margret in den Raum. „Und erzähl mir nicht, du hättest mein Rufen wieder nicht gehört. Immerhin habe ich schon vor über einer Stunde nach dir rufen lassen.“ Sie stampfte mit dem Fuß auf. „Ich bin es leid, auf der Suche nach dir durch das ganze Haus zu laufen.“

„Wie schade“, erwiderte der Hausherr, machte aber keine Anstalten sich umzudrehen. „Doch so ganz entspricht deine Aussage nicht der Wahrheit, denn anscheinend hast du meine Spielchen doch nicht so satt, wie du immer behauptest. Wann immer ich keine Lust habe, sofort auf deinen Befehl hin zu dir zu eilen, scheinst du dich in eine Art Bluthund zu verwandeln, der erst aufgibt, wenn er seine Beute erlegt hat.“

„Du vergleichst mich mit einem Hund?“ Lady Margret versprühte Gift und Galle. „Wie kannst du es wagen?“

„Ich werde mich in wenigen Monaten noch viel mehr wagen“, sagte William eiskalt und wandte sich endlich um. „Ich werde dich hochkantig aus meinem Haus werfen!“ Auf seiner Stirn zeigten sich Zornesfalten und seine ganze Haltung machte deutlich, dass er nicht einen Meter zurückweichen wollte. „Gewöhn dich langsam daran. Nein! Gewöhn dich lieber schnell daran, oder noch besser: Fang schon mal an, deine Habseligkeiten zusammenzupacken. Dir bleibt nicht mehr viel Zeit auf Hampton Court!“

„Das wird die Zeit zeigen“, schnaubte Lady Hampton wenig beeindruckt. Dann lachte sie kalt. „Aber jetzt will ich wissen, warum du dich seit neustem für die Dienstboten interessierst?“

„Das“, zischte William Hampton, „habe ich gerade erklärt. In drei Monaten wird es eine Person weniger im Haus geben und ich überlege, ob ich dann noch immer einen so großen Dienstbotenstab benötige.“ Abfällig sah er sie an. „Nicht jeder wirft das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster!“

*~*~*

Das Streitgespräch dauerte an, wurde sogar immer heftiger und Elisabeth beobachtete das Geschehen mit ungläubigem Blick. Niemals zu vor hatte sie zwei Menschen so unerbittlich mit Worten kämpfen sehen. Doch das war beileibe nicht alles. Für Elisabeth stand nach den gehörten Worten fest, dass Lady Margret sich sicher war, noch eine lange Zeit auf Hampton Court das Sagen zu haben. Wie sie sich schlussendlich durchsetzen würde, war noch ungewiss, doch Elisabeth befürchtete das Schlimmste!







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