Bronx: Beyond Reasonable Doubt - Teil 10
Datum: Montag, 08. März 2010 @ 20:29:39 Uhr
Thema: Alternate Universe



Autor: Bronx
Titel: Beyond Reasonable Doubt
Inhalt: Chicago 1947: Lindsey ist ein irisches Gangmitglied und bekommt nicht nur mit seiner Ehefrau Probleme, sondern auch mit seinem Boss. Eines führt zum Anderen und allmählich kommen Lindsey Zweifel an der Wahl seines Berufes...
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 10/13
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Lindsey/Winifred



 

Kapitel 10

Den ganzen Tag lang war Lindsey herum gelaufen wie das reinste Nervenbündel und hatte die Zeit nicht schnell genug herum bekommen können. Er hatte sich verfolgt und beobachtet gefühlt und wollte einfach nur nach Hause. Am schlimmsten war es beim Leichenbestatter gewesen, als er Faith auf weißem Satin gebettet hatte liegen sehen. Sie hatte wunderschön ausgesehen, so als würde sie schlafen. Doch die Gewissheit, dass sie nie wieder aufwachen würde, hatte ihm körperliche Schmerzen bereitet. Er hatte sich jedoch zwingen müssen, den Kummer schnell wieder abzulegen, wollte er doch seine Wachsamkeit nicht schwinden lassen. Das konnte er sich nun am allerwenigsten leisten. Er musste aufpassen und vorsichtig sein und jeden seiner Männer genau im Auge behalten.

Nun ging er im Wohnzimmer auf und ab, wartete ungeduldig darauf, dass Angel endlich auftauchte. Er befürchtete wieder einmal das Schlimmste und malte sich schon aus, dass Angel ihn verraten haben könnte, dass er wusste, wer hinter den Anschlägen steckte und nun der letzte Schlag gegen ihn folgen würde. Würde man wirklich soweit gehen und ihn töten lassen? Würde er das Wesley zutrauen? Wenn es denn Wesley war, denn das wusste er nicht mit Sicherheit. Doch wenn er ehrlich mit sich war, deutete alles darauf hin und das konnte er nicht mehr leugnen. Dennoch hoffte er, dass es jemand anders war. Er betete praktisch, dass es die Mafia war. Ob das nun schlimmer oder besser war, vermochte er nicht zu sagen. Aber wenn er darüber nachdachte, dass Wesley ihm das alles angetan haben könnte und vielleicht noch Schlimmeres plante, schmerzte es ihn. Und so lange er nicht mit Sicherheit wusste, wer nun hinter all dem steckte weigerte er sich zu denken es sei Wesley gewesen. Auch wenn bei jedem gedanklichen Durchgang immer wieder unterm Strich dasselbe Ergebnis herauskam. Es musste nicht bedeuten, dass er richtig lag. Er wollte Unrecht haben. Dieses eine Mal wollte er wirklich falsch liegen.

Als Winifred ihre Hand auf seine Schulter legte erschrak er und sprang beinahe zur Seite. Er drehte sich um und atmete erleichtert aus, als er in das sanfte Gesicht seiner Frau blickte. „Lindsey, es wird alles wieder gut werden. Wir schaffen das. Wir können alles schaffen, wenn wir nur wollen“, erklärte sie ernst und Lindsey wusste, dass sie an ihre Worte glaubte. Doch Lindsey konnte sich einfach nicht dazu durchringen ihr zu glauben, so gern er es auch wollte. Es ging einfach nicht.

„Wo zum Teufel bleibt Angel? Ich mach mir langsam Sorgen. Da muss doch etwas schief gelaufen sein“, murmelte er immer wieder und war in Gedanken schon dabei sich auszumalen was auf ihn zukam, wenn Angel wirklich mit drin steckte und Wesley nun wusste, dass Lindsey einen Verdacht hegte.

„Er wird schon noch auftauchen. Ich bin sicher er hat gute Gründe. Glaubst du, dass er dich verraten haben könnte?“ Lindsey nickte besorgt. Wenn Winifred schon so dachte konnte diese Befürchtung doch gar nicht so abwegig sein, oder? „Ich denke nicht, dass Angel das tun könnte. Er vergöttert dich. Und er hat sich mehr als rührend gekümmert. Letzte Nacht als auch in den Tagen in denen du mit einer Schusswunde im Bett gelegen hast. Lindsey, er hat sich ehrlich gesorgt und er würde alles tun, um dich und uns zu beschützen. Du hättest ihn sehen sollen, wie er mit diesen Kerlen fertig geworden ist. Er war so mutig. Glaubst du wirklich er hätte das getan, wenn er dich aus dem Weg haben wollte? Glaubst du er hätte die Kinder und mich beschützt?“

„Was wenn er nur will, dass wir das denken?“, fragte Lindsey nun panisch als er entdeckte, dass er diese Möglichkeit gar nicht bedacht hatte. „Was wenn er so tut als würde er dich beschützen, damit wir denken er ist auf unserer Seite aber in Wirklichkeit steckt er dahinter?“ Winifred strich ihm sanft über die Wange, doch Lindsey war versucht ihre Hand einfach fortzuwischen. Seine eigene Frau sah ihn an, als würde er den Verstand verlieren. Um ehrlich zu sein, fühlte er sich auch genauso. Als habe alle Welt sich gegen ihn verschworen und er konnte nichts dagegen tun als ihnen einfach in die Falle zu gehen. Er fühlte sich machtlos und in die Ecke gedrängt. Und wenn nicht bald diese Spannung von ihm abfiel, würde er wie ein wild gewordenes Tier alles und jeden nieder reißen.

Endlich klopfte es an der Wohnungstür und Winifred wollte schon hingehen, doch Lindsey bedeutete ihr leise zu sein und im Wohnzimmer zu warten. Er hörte sie noch leise seufzen als er den Raum verließ und praktisch auf Zehenspitzen den Gang hinunter tapste, durch das Guckloch spähte und dann erst vorsichtig die Tür öffnete. Angel stand da, die Hände in den Hosentaschen und er wirkte mehr als nervös. „Lindsey ich hab Spikes Geschichte überprüft und wir glauben die Lücke gefunden zu haben“, erklärte der Mann und zappelte herum, als habe man ihm einen Stromschlag verpasst. Lindsey wich die Farbe aus dem Gesicht bei der bloßen Erwähnung des Wortes wir. Das konnte nichts Gutes bedeuten.

„Wir?“, fragte er fast panisch nach und steckte seinen Kopf durch die Tür, sah sich um und erblickte Spike, der beinahe lässig an der Wand neben der Wohnungstüre lehnte.

„Ja, wir“, gab dieser nur zurück und sah ihn beinahe verständnislos an. „Wollen wir das hier im Flur besprechen oder lässt du uns rein?“.

Lindsey war platt und seine Panik schaltete noch einen Gang höher, brüllte in seinen Ohren auf wie ein gequälter Motor. Was, wenn die zwei das ganze ausgeheckt hatten und ihn nun endgültig zur Strecke bringen wollten? „Lindsey, nun lass sie schon hinein“, hörte er Winifred hinter sich und wurde von ihr zur Seite geschoben. Wie konnte sie nur so vertrauensvoll sein? Wie konnte sie die beiden einfach in ihre Wohnung einladen, nach allem was passiert war? War sie denn kein bisschen misstrauisch oder verstand sie einfach den Ernst der Lage nicht? In diesem Moment wünschte er sich fast er habe seine Frau niemals eingeweiht und würde sie am liebsten ins Schlafzimmer sperren und die Sache mit den beiden Männern allein regeln. Doch noch ehe er irgendetwas erwidern oder unternehmen konnte, spazierten Spike und Angel schon an ihm vorbei und Winifred schloss mit einem beinahe vorwurfsvollen Blick auf Lindsey die Tür.

Als sie an ihm vorbei ins Wohnzimmer gehen wollte, hielt er sie am Arm fest und blickte ihr in die Augen, wütend und kurz davor aufzubrausen. Sie legte ihre Hand auf seine und blickte ihn wieder mit diesem sanften Blick aus rehbraunen Augen an, aber das würde sie nun auch nicht retten. „Was hast du dir dabei gedacht, sie einfach herein zu lassen? Bist du kein bisschen misstrauisch, verdammt? Wir müssen vorsichtig sein!“ Sie strich ihm über die Wange und trat einen Schritt näher, schlang dann ihren freien Arm um seine Hüfte.

„Lindsey, ich weiß wie gefährlich das alles ist und ich weiß, dass du Angst hast. Aber du darfst nicht den Durchblick verlieren. Wenn du alles und jeden verdächtigst und beschuldigst, wirst du am Ende allein da stehen und alles verloren haben. Willst du das?“ Sie seufzte und drückte sich enger an ihn, versuchte ihn wohlmöglich nur zu beruhigen. „Lindsey, ich mag mich in eurem Geschäft nicht auskennen. Aber ich habe einfach so ein Gefühl, was die beiden angeht. Ich fühle es, verstehst du? Wenn du jemandem aus den eigenen Kreisen trauen kannst, dann sind es diese beiden. Sie würden ihr Leben für deines geben, ohne zu zögern. Sei dankbar und benimm dich nicht wie ein Irrer.“ Sie lächelte und küsste ihn sanft auf die Wange.

Lindsey schämte sich fast als er über ihre Worte nachdachte. Ja, die beiden waren immer mehr als loyal gewesen und hatten mehr als einmal bewiesen, dass er auf sie zählen konnte, aber das hier war eben eine völlig andere Situation. Dennoch befürchtete er, dass seine Frau Recht haben könnte. Sie hatte die Angewohnheit Recht zu haben, auch wenn er es nur unfreiwillig gestehen würde. Sie fühlte, er dachte. Und ihr Gefühl hatte seinen Verstand schon mehr als einmal geschlagen. Er seufzte leise und nickte, küsste sie entschuldigend auf die Stirn und wappnete sich dann für das Gespräch, das er nun mit den beiden Männern führen würde. Und nur für alle Fälle würde er Winifred gestatten dabei zu sein, auch wenn das mehr als untypisch war. Aber er war gewillt neue Wege zu gehen. Außergewöhnliche Situationen erforderten ebenso außergewöhnliche Maßnahmen, richtig?

„Also raus damit. Was denkt ihr?“, fragte er so gelassen wie möglich und setzte sich in seinen Sessel, ließ Winifred auf der Armlehne Platz nehmen.

„Also das war so“, begann Spike zu erklären und wirkte wirklich enthusiastisch. Beinahe überglücklich, dass sie ihm helfen konnten. „Der Boss hat mich angerufen und gesagt er braucht einen Fahrer, weil Doyle sich krank gemeldet hat. Ich hab ihm gesagt, dass du mich eingeteilt hast als Wache, doch davon wollte er nichts hören. Ich hab ihm gesagt, dass ich nicht einfach ohne Ersatz, die Wache ausfallen lassen kann und dass du ausrasten würdest. Er wurde richtig komisch, verstehst du? Wieder dieser eiskalte Ton in seiner Stimme, der mir immer eine Gänsehaut verpasst. Dann hat er gesagt, er würde Riley bescheid geben, dass der eben die Wache übernimmt. Also bin ich los und hab ihn den ganzen Tag durch die Gegend gefahren.“

„Warum hat er unbedingt dich als Fahrer haben wollen? Warum nicht Riley, wenn der doch anscheinend nichts zu tun hatte und einfach die Wache übernehmen konnte. Davon ab, war der nicht da, als Oz und ich bei Faith ankamen. Das passt doch wieder hinten und vorne nicht!“, murmelte Lindsey ärgerlich, der beinahe nicht mehr anders konnte, als Wesley zu verdächtigen. Wesley war der einzige, der das hätte planen können. Oder etwa doch nicht? Wenn auch nur die winzigste Möglichkeit bestand, dass es jemand anders gewesen sein könnte, wollte Lindsey einen Hinweis darauf finden, würde ihn finden. Was, wenn Riley dahinter steckte? Wenn Riley den Moment genutzt hatte, um Faith zu töten und der Zufall, dass Wesley ihn zur Wache eingeteilt hatte für ihn einfach nur pures Glück gewesen war? Riley war zwar sicher nicht der cleverste, aber es könnte eine Möglichkeit sein. Jedoch fehlte ihm auch für Riley das Motiv. Er hatte sich immer mit dem Mann verstanden und hatte nie auch nur die kleinste Auseinandersetzung mit ihm gehabt. Riley war wie ein guter Soldat. Er gehorchte Befehlen ohne wenn und aber. Eigenständig einen solchen Plan auszuhecken schien weit hergeholt und er konnte sich selbst mit größtem Aufgebot an Phantasie nicht vorstellen, dass Riley an Lindseys Platz in der Organisation interessiert war.

„Lindsey, du hast die Antwort auf der Hand! Wesley steckt da hinter und Riley ebenso. Vielleicht sogar Doyle! Siehst du das denn nicht?“, erklärte Angel nun felsenfest von seiner Theorie überzeugt.

„Du hast Recht. Ich kann und ich will es einfach nicht sehen. Wesley und ich sind beinahe wie Brüder aufgewachsen. Ich hab seit ich 13 war für seinen Vater gearbeitet. Wir waren eine Familie, verdammt. Ich will einfach nicht glauben, dass Wes es auf mich abgesehen haben könnte. Mir fällt einfach kein vernünftiger Grund ein, warum er das tun sollte.“

„So wie es im Moment aussieht ist es Wesley, Lindsey“, erklärte Spike ruhig und blickte ihn abwartend an.

„Ja genau. Das ist es ja. Es sieht so aus. Ich kann doch nicht irgendetwas unternehmen oder Wesley konfrontieren nur weil es danach aussieht. Wenn ich damit zu ihm gehe und ihn zu Rede stelle und am Ende kommt raus, dass er es doch nicht war? Was glaubst du was er dann tut? Dann ist das Vertrauen null und nichtig und was macht er mit Leuten, denen er nicht mehr über den Weg traut, huh?“

„Was machst du mit Leuten denen du nicht mehr über den Weg traust? Wenn Wesley wirklich was gegen dich hat, was auch immer es sei, dann traut er dir vielleicht längst nicht mehr und das was hier passiert ist seine Reaktion darauf. Mal im Ernst. Ihr kennt euch praktisch seit ihr Kinder wart. Ihr habt den Laden zusammen wieder hochgebracht. Du weißt doch wie er denkt. Verdammt, ihr denkt praktisch gleich. Was würdest du an Wesleys Stelle tun?“, fragte Angel ernst und wartete auf eine Antwort.

Lindsey grübelte einen langen Moment nach und blickte dann mit starrem Blick aus dem Fenster. „Ich würde ihn fertig machen.“ Doch im gleichen Moment schüttelte er wieder den Kopf und begann im Raum auf und ab zu gehen. „Ich würde ihn fertig machen, wenn ich einen Grund dafür hätte. Welchen Grund sollte Wesley schon haben? Ich hab ihn nie hintergangen. Ich hab mich nie über seine Anweisungen hinweggesetzt. Glaubst du wirklich er veranstaltet solch einen Wirbel, weil seine Leute mich hin und wieder mal Boss nennen? Wenn er das überhaupt irgendwann mal mitbekommen hat? Das ist doch lächerlich.“

„Was würdest du an seiner Stelle tun?“, fragte Angel erneut und blickte Lindsey an, der noch immer auf und abwanderte, die Hände in den Hosentaschen zu Fäusten geballt. Er ließ den Kopf sinken und schloss für einen Moment die Augen, bevor er antwortete.

„Siehst du, ich glaube nicht einmal mehr, das Wesley und ich noch gleich denken. Vielleicht war das mal so. Aber jetzt nicht mehr. Vor ein paar Jahren hätte ich jemanden, dem ich nicht traue oder der mir aus welchen Gründen auch immer im Weg war, einfach kalt gemacht.“, er schluckte hart, als er diese Worte aussprach und warf seiner Frau einen unsicheren Seitenblick zu. Er hatte ihr zwar gebeichtet, dass er jemanden getötet hatte, aber er hatte ihr niemals gegenüber erwähnt, zu was er sonst noch so fähig gewesen wäre. Er wollte nicht, dass sie ihn für ein komplettes Monster hielt.

„Heute würde ich das nicht mehr so machen, Angel. Und du weißt das. Ihr beide wisst das“ schloss er und blickte die beiden Männer abwechselnd an.

„Das mag sein, aber Wesley ist immer noch genauso kaltblütig wie früher. Wenn nicht noch schlimmer. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl in seinen Adern fließt rotes Eis. Ernsthaft Lindsey. Der Typ ist so kalt, dass die Temperatur fällt, wenn er einen Raum betritt. Ich denke wirklich, er könnte das bringen. Jemanden aus dem Weg räumen, egal wie lang er die Person kennt, nur weil die Person ihm einen Lolly geklaut hat. Ich mein bildlich gesprochen“, erklärte Spike, nicht das Wesley sich tatsächlich mit einem Lolly sehen lassen würde.

„Wesley ist eifersüchtig, Mann“, erklärte Spike nun lässig und zündete sich eine Zigarette an. „Er mag es nicht, dass wir dich viel lieber als Boss hätten. Er mag es nicht, dass wir auf dich hören und er mag es nicht, dass er weiß, dass er ohne dich ein Nichts und ein Niemand wäre“, erklärte er umständlich und zuckte mit der Augenbraue um seine Theorie zu unterstützen. Lindsey schüttelte den Kopf. Das war doch lächerlich und hörte sich so gar nicht nach Wesley an. Würde der ihn wirklich aus dem Weg räumen lassen, nur weil der ein oder andere ihn scherzeshalber ab und an mal Boss nannte? Konnte es das wirklich sein? Er kannte Wesley nun schon seit er ein Junge gewesen war und hatte seither Seite an Seite mit ihm gearbeitet. War wie selbst verständlich in dessen Dienste getreten, als der alte Wyndam-Pryce sein Leben gelassen hatte. Und nach allem was sie beide gemeinsam aufgebaut und durchgemacht hatten, sollte Wesley ihn nun loswerden wollen?

„Er will mich also aus dem Weg räumen und will es so aussehen lassen, als wäre es die Mafia gewesen, dabei haben die nichts damit zu tun. Er will nur, dass ich das glaube. Aber warum greift er mich nicht direkt an? Warum macht er es nicht still und schmerzlos? Warum inszeniert er die Angriffe und macht so einen Wirbel um alles? Das macht immer noch keinen Sinn!“

„Was auch immer seine Gründe sind, Lindsey. Wir müssen uns etwas einfallen lassen“, erklärte Angel nun ernst und blickte abwartend in die Runde. „Wir müssen dafür sorgen, dass du und deine Familie sicher sind.“ Lindsey seufzte als er sich alles noch einmal durch den Kopf gingen ließ. Wie sollte er jemals vor Wesley sicher sein? Das war praktisch unmöglich. Solange er für Wesley arbeitete, würde er jede Minute an jedem verdammten Tag damit rechnen müssen, dass ihm was zustoßen konnte. Ebenso seiner Familie. Und wenn er einfach weglief, würde er für den Rest seines Lebens bei jedem unbekannten Geräusch zusammen zucken, aus Angst Wesley könne ihn gefunden haben. Er sah einfach keinen Ausweg.

„Wie sollen wir denn dafür sorgen, huh? Wir haben doch schon alles getan, um uns zu schützen. Wesley findet eine Lücke wenn er will und wenn er keine findet, macht er sich eine.“

„Und was ist wenn wir einfach weggehen? Wir werden vorsichtig sein und uns so gut es geht verstecken. Vielleicht sogar mit falschen Namen?“, klinkte Winifred sich nun in das Gespräch ein, doch sie erntete nur müde Blicke. Offensichtlich war das keine so gute Idee gewesen. Aber etwas anderes fiel ihr einfach nicht ein. Sie wollte, dass ihr Mann aus diesem Geschäft ausstieg und sie wollte in Frieden leben ohne jeden Tag Angst haben zu müssen, dass er nicht nach Hause kam. „Ich will, dass du aussteigst, Lindsey. Bitte. Ich will das alles nicht mehr. Ich will einfach nur…“

Sie sprang auf, ließ den Satz unbeendet im Raum stehen und lief in die Küche, schluchzte. Sie hielt das alles nicht mehr aus. Sie hatte geglaubt stark genug zu sein, um das alles gemeinsam mit Lindsey durchzustehen, doch allmählich verließ sie diese Kraft. Es wurde einfach zuviel und es war kein Ende in Sicht, kein Ausweg. Sie wollte doch einfach glücklich mit ihrem Mann und ihren Kindern leben. Mehr nicht. War das denn wirklich zu viel verlangt? Lindsey trat in die Küche und sah sie unter seinen langen Wimpern hervor an, tat langsam einen Schritt nach dem anderen, bis er direkt vor ihr stand und sanft seine Hände an ihre Wangen legte.

„Ich hab immer nur dafür Sorgen wollen, dass wir es gut haben“, begann er. „Ich hätte niemals gedacht, dass sich einmal alles ändern könnte und wir wirklich in Gefahr sein würden. Ich habe das nicht gewollt.“

„Hast du wirklich geglaubt, es würde niemals etwas passieren? So naiv kannst du gar nicht gewesen sein“, brauste sie auf. „Du bist ein Gangster, du begehst Verbrechen und tust Leuten weh. Hast du wirklich gedacht, du kommst auf immer und ewig mit allem davon, ohne dass sich jemals irgendwer an dir rächen will oder dich die Polizei einsperrt? Bist du wirklich so überheblich?“ Lindsey antwortete nicht und starrte nur auf den Fußboden. So wie es aussah, hatte er vermutlich genau das geglaubt. Ihr Mann war sicherlich nicht dumm, aber irgendwann musste auch seine Glückssträhne mal enden. Das musste er doch gesehen haben. Niemand lebte als Gangster lange genug, um einen natürlichen Tod zu sterben. Das wusste doch nun wirklich jedes Kind.

„Ich habe einfach immer gedacht, ich sei zu clever, als das ich mich von der Polizei fangen lassen würde. Und ich habe immer gehofft, dass es niemals zu einem Bandenkrieg kommen würde. Wie hätte ich den ahnen können, dass mich irgendwann mein eigener Boss aus dem Weg haben will? Ich wollte immer nur, dass es uns gut geht, Winifred. Deswegen hab ich immer weiter gemacht. Ich hätte niemals in einem anständigen Beruf so viel verdienen können. Ich wollte, dass du und die Kinder alles haben, was ihr euch nur denken könnt. War das so falsch?“ Lindsey blickte sie verzweifelt an und sie musste hart schlucken. Wenn er doch nur endlich begreifen würde, dass ihr der Wohlstand niemals wichtig gewesen war.

„Lindsey, wir brauchen das alles nicht. Wir brauchen keine riesige Wohnung und ich brauche keine Pelzmäntel. Ich brauche meinen Ehemann. Ich will lieber arm wie eine Kirchenmaus sein solange ich dich an meiner Seite habe, um die Kinder aufzuziehen. Ich will dich nicht verlieren, Lindsey“ schluchzte sie nun leise und ließ sich in seine Arme sinken und hoffte, dass dieser eine Moment niemals enden würde. Sie wollte nicht ohne ihn Leben müssen und sie fürchtete sich so sehr davor, dass erst noch viel Schlimmere Dinge passieren mussten, bis er endlich begriff, dass sie so nicht leben konnten.

„Was wenn es gar nicht Wesley ist, der es auf mich abgesehen hat? Wenn ich herausfinde, dass es jemand anders ist? Dann kümmere ich mich darum und alles wird wie vorher werden“, erklärte er nun hoffnungsvoll und Winifred konnte nicht glauben, was er sagte. Er begriff es einfach nicht. „Und eines Tages wird jemand anders kommen, der dich aus dem Weg haben will, Lindsey. Es wird immer jemanden geben, solange du in diesem Geschäft bleibst. Begreifst du denn nicht? Wer auch immer hinter dir her ist, geht über Leichen. Und ich glaube einfach nicht, dass sie aufhören werden uns zu jagen weil es ihnen langweilig geworden ist. Sie werden erst zufrieden sein, wenn sie bekommen haben, was sie wollen. Ich mag mich nicht mit Gangsterproblemen auskennen, aber ich bin nicht dumm, Lindsey.“

„Sie hat Recht“, bekräftigte Angel sie nun, der sich in die Küche geschlichen hatte und nun am Türrahmen lehnte. „Wer auch immer es ist, wird nicht einfach aufgeben. Mann, das wissen wir beide. Wir würden es doch nicht anders machen.“

„Was sollen wir denn machen, verdammt? Sollen wir Wesley auf Verdacht einfach mal umlegen? Wir müssen herausfinden, ob er es wirklich ist. Ich brauche Beweise. Wir können nicht einfach den Boss umlegen nur weil alles danach aussieht, dass er mich kalt machen will. Was glaubst du denn was dann passiert? Huh? Glaubst du ich leite den Laden und alle sind glücklich und zufrieden? Was ist mit Riley und Doyle? Was, wenn die wirklich mit drin stecken? Die würden das doch nicht einfach schlucken. Dann müssten wir uns um die auch gleich mit kümmern. Und was, wenn die nicht die einzigen sind? Was, wenn du und Spike die einzigen sind, die auf meiner Seite stehen? Hast du daran schon mal gedacht?“

„In Ordnung du hast Recht, wir können nicht einfach auf Verdacht handeln. Wir brauchen Beweise. Aber wie finden wir denn nun heraus, ob es wirklich Wesley ist oder nicht. Und wenn nicht, wie kriegen wir raus wer es ist?“, lenkte Angel nun ein, um endlich einem Ergebnis näher zu kommen. Dieses ewige hin und her und was-wenn-Gerede machte einen ja ganz wirr im Kopf.

„Also, ich finde, wir sollten Wesley eine Falle stellen“, erklärte Spike nun sehr von seiner Idee überzeugt und alle Blicke ruhten auf ihm.

tbc







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