
Autor: Red-Sydney
Titel: The Ripper Chronicles
Inhalt: Wünsche haben eine gefährliche Macht. Unterstützt von dämonischer Hilfe entwickeln sie eine Eigendynamik, die sich der Wünschende nie hätte vorstellen können. Das muss auch Ethan Rayne erkennen, als er glaubt, durch das Herbeirufen eines Rachedämons seiner Zelle im Militärgefängnis von Nevada zu entkommen zu können...
Spoiler: keine
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 2/?
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Ethan/Ripper
Kommentar: Okay, nach diesem Teil werdet ihr wissen, warum diese Story The Ripper Chronicles heißt, obwohl Ethan die Hauptfigur ist.
Awake
Er träumte. Er musste träumen, denn er stand in der Bibliothek der Sunnydale Highschool. Der Sunnydale Highschool, die vor etwa einem halben Jahr in die Luft geflogen war.
Zudem fühlte sich sein Körper so leicht an, als wäre er gar nicht vorhanden. War er ein Geist? War er in dieser alternativen Realität etwa schon tot?
Verwirrt sah er an sich herunter und stellte fest, dass sein Körper noch da und keineswegs durchsichtig oder substanzlos war. Dann war es also doch ein Traum.
Er stand hier, auf der untersten Stufe der Treppe zur oberen Ebene. Direkt vor ihm hatte er schon mal auf einem Stuhl gesessen, damals nachdem Eyghon in Dees Körper in diese Stadt gekommen war. Rupert hatte ihn an den Haaren auf die Füße gezogen und ihn auf äußerst reizende Art und Weise bedroht. Zum Erstaunen seiner kleinen Jägerin. Und dann war der tote Phil aus seinem improvisierten Gefängnis ausgebrochen und er hatte flüchten können.
Hach, die guten alten Zeiten, als er noch frei gewesen war.
Plötzlich wurde die Schwingtür aufgestoßen und Buffy kam herein. Sie sah genauso aus, wie er sie in Erinnerung hatte: Dieselbe Frisur, derselbe Kleidungsstil, dasselbe Auftreten. Sie blickte genau in seine Richtung, schien ihn aber nicht zu bemerken. „Hallo? Sind Sie da?“
Wen rief sie? Etwa Giles? Wenn ja, dann hatte sich anscheinend kaum etwas verändert.
In diesem Moment betrat ein weiterer weiblicher Teenager die Bibliothek. Eine dunkelhaarige Schönheit in einer schwarzen, ledernen Hose und einem bauchfreien Top stürmte auf Springerstiefeln in den Raum. „Wächter? Wächter? Es ist Patrouillenberichtzeit.“
Buffy drehte sich grinsend zu ihr um. „Faith, du weißt doch, dass er es hasst, so genannt zu werden. Willst du etwa, dass er sich wieder echauffiert?“
Die Angesprochene lachte laut auf. „Hat Red dir das Wort beigebracht?“
Buffy schüttelte den Kopf. „Nee, das waren seine eigenen Worte.“
Ethan musterte die Dunkelhaarige etwas genauer. Das war also Faith, die böse Jägerin, die sich auf die Seite des Bürgermeisters geschlagen hatte. Er hatte schon von ihr gehört, aber sie leider nie persönlich getroffen.
Was könnten sie beide doch zusammen für Chaos anrichten!
Das Geräusch der öffnenden Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Im ersten Moment war er felsenfest davon überzeugt, Giles aus dem Büro des Bibliothekars treten zu sehen. Doch der Mann war jünger, zwar ebenso bebrillt und unverkennbar britisch, aber auf keinen Fall Rupert. Das Irritierende war, dass dieser Mann sich ebenso die Brille putzte, wie sein Vorgänger es getan hatte. „Bravo, Buffy. Du hast das Wort sogar richtig ausgesprochen.“
Die angesprochene Jägerin lächelte triumphierend. „Tja, Wes, immerhin ist bald dieser Eignungstest fürs College, mit dem Sie mich jeden Tag nerven. Da wäre es mal gut, Ihnen etwas zuzuhören, sonst lassen Sie mich ja nie damit in Frieden.“
Ihr Wächter blieb wie angewurzelt stehen. „Ein Fortschritt! Dass ich das noch erleben darf! Das muss ich mir sofort im Kalender notieren.“
Er wollte sich schon wegdrehen, als Buffy ihn an der Schulter packte und zurückhielt. „Sehr witzig, Wesley. Zuerst kommt unser Bericht dran. Oder wollen Sie daran schuld sein, dass Snyder meine Mom anruft, weil ich nicht an dem Geschichtstest teilgenommen habe?“
Dieser Wesley seufzte. „Na schön. Wie viele Vampire waren es diesmal?“
Während die beiden Jägerinnen von ihrer nächtlichen Jagd erzählten, sah er sich diesen Typen näher an. Wer war das? Und warum hatte er Giles ersetzt? War Rupert tot? War Wesley überhaupt sein Ersatz?
Plötzlich drehte sich der Wächter zu ihm und meinte mit einer seltsam bekannten, tieferen Stimme: „Wach auf! Mach schon!“
Die Konturen der Highschool-Bibliothek verschwammen vor seinen Augen, wurden immer mehr von einem grauen Nebel eingehüllt und durch andere ersetzt.
Langsam kam er zu sich und öffnete die Augen. Ein Fuß traf ihn unsanft in den Bauch und wieder forderte die bekannte Stimme ihn auf, aufzustehen. „Du hast schon den halben Tag verschlafen. Mach endlich, dass du hochkommst. Soviel haben wir doch gestern Nacht nicht genommen. Oder hast du dich noch mal bedient, nachdem ich ins Bett gegangen bin?“
Allmählich erinnerte er sich daran, wem diese Stimme gehörte. Konnte es wirklich wahr sein? War das Rupert, der ihn so barsch zu wecken versuchte?
Er blinzelte, um die letzten Fetzen seines Traumes abzuschütteln, und setzte sich auf. Sein Kopf fühlte sich wirklich an, als hätte er mehrere Flaschen Hochprozentiges und große Mengen starker Drogen konsumiert.
Verschlafen sah er sich um. Er lag auf einer alten Matratze, die den Namen nicht verdiente. Sie war viel zu weich und durchgelegen und die Füllung bahnte sich schon durch etliche Löcher ihren Weg in die Freiheit. Von den integrierten Stahlfedern ganz zu schweigen, die ihm schmerzhaft in den Rücken stachen.
Der Ort, an dem er sich befand, machte einen kaum angenehmeren Eindruck. Auf den ersten Blick sah es wie eine verlassene, abbruchreife Fabrikhalle aus: Riesig, aus dickem Beton, aber eindeutig verwahrlost und seit Jahren nicht mehr in Gebrauch. Der Putz bröckelte schon von den Wänden, Schimmel hatte sich in den Ecken gebildet und auf dem Boden mischte sich eine dicke Staubschicht mit Rattenkot. Zudem stieg ihm der unverwechselbare Geruch von Urin in die Nase.
„Wo zum Teufel sind wir hier?“, entfuhr es ihm, bevor ihm klar wurde, dass er dies eigentlich wissen musste. Jedenfalls nach Meinung aller, die in dieser Parallelwelt lebten.
Rupert schnaubte abfällig. „Wie breit oder stoned warst du, dass du dich nicht mehr daran erinnerst, wie wir vor diesem Kerl geflohen sind und uns schließlich hier versteckt haben? Wenn ich dich so sehe, bin ich überrascht, dass du gestern so schnell rennen konntest.“
Irgendetwas stimmte nicht. Das war nicht der Mann, der ihn in letzter Zeit jedes Mal geschlagen hatte oder hatte schlagen wollen, wenn sie sich begegneten.
Er drehte seinen Kopf in die Richtung, aus der Giles’ Stimme kam, und erstarrte, fassungslos über den Anblick, der sich ihm bot. Das Erste, was ihm auffiel, war, dass die Brille verschwunden war. Genau wie diese lächerlichen Tweedanzüge, Westen und Krawatten. Stattdessen trug Rupert schwere Stiefel, eine schwarze Hose aus Leder, ein dunkles Shirt und darüber einen knielangen Ledermantel.
Es war, als wäre der Ripper zurückgekehrt. Oder in diesem Fall nie in einen langweiligen Wächter verwandelt worden.
Was hatte sich noch verändert? Und aus welchem Grund waren sie beide jetzt hier? In welcher Stadt befanden sie sich überhaupt? Er wusste keine Antwort auf diese Fragen, obwohl er sie hätte haben sollen. Und er hielt die Kette, die die Rachedämonin ihm gegeben hatte, nicht mehr in seinen Händen.
Sofort sah er sich hektisch um und tastete unwillkürlich seine Brust ab, bis er die Konturen des Anhängers erfühlte. Erleichtert seufzte er auf. Das bedeutete, er konnte das fehlende Wissen immer noch nachholen.
Bis dahin musste er wohl oder übel improvisieren. „Und? Sind wir diesen Kerl entgültig losgeworden?“
Rupert musterte ihn einen Moment lang stirnrunzelnd, dass er fürchtete, irgendetwas Falsches gesagt zu haben. Dann schüttelte er entschieden den Kopf. „Du solltest aufhören zu träumen. Wir werden ihn nie los, wenn wir ihn nicht endlich beseitigen.“
Beseitigen? Das hörte sich nach einem großen Risiko an, je nachdem wer dieser ominöse Fremde war. Doch viel mehr erschreckte es ihn, dieses Wort aus Giles’ Mund zu vernehmen. Und dann auch noch in diesem kalten, abgebrühten Tonfall.
Wo war er hier gelandet? Gut, der Ripper hatte eine dunkle Seite und es hatte bei ihrem letzten Treffen immer noch sehr viel Wut in ihm gesteckt. Aber diese Kaltblütigkeit war erschreckend.
Und irgendwie anziehend.
Er musste dringend einen Moment abpassen, in welchem er allein sein konnte. Diese Vergangenheit schien einige Überraschungen für ihn bereitzuhalten.
Rupert wandte sich plötzlich ab und starrte mit zusammengekniffenen Augen auf das große Tor auf der anderen Seite der Halle. Er wirkte, als hätte er etwas Alarmierendes gehört.
Ethan erhob sich auf seine wackeligen Beine und betete, dass sein Brummschädel ihn nicht wieder umkippen ließ. „Denkst du, er ist noch irgendwo da draußen?“
Zuerst antwortete Giles nicht und machte einen vorsichtigen Schritt auf das Tor zu. Doch dann erklärte er mit todernster Miene: „Das kann man bei einem Ratsagenten nie wissen.“
Wundervoll! Der Rat war also hinter ihnen her. Wurde er diese dämlichen Anzugträger denn nie los? Sie schienen überall zu sein, egal in welcher Parallelwunschwelt er auch lebte.
Bevor er antworten konnte, drehte sich der Ripper wieder zu ihm um. „Du hast gesagt, du wüsstest, wo sich in dieser Stadt der Höllenschlund befindet.“
Oh, das war aufschlussreich. Sie waren also in Sunnydale. Und sein Begleiter interessierte sich für das Tor zur Hölle. Das wurde ja immer besser. „Nun, da ergibt sich eine Schwierigkeit: Wenn wir keine Schüler oder Lehrer sind, müssen wir uns eine überzeugende Tarnung einfallen lassen.“ Ruperts irritierter Blick war zu köstlich. Ob ihm die folgende Enthüllung gefallen würde? „Er liegt direkt unter der Bibliothek der Sunnydale Highschool.“
Giles’ Beunruhigung verschwand augenblicklich aus seiner Miene. „Da warten wir eben, bis es dunkel wird, und brechen dort ein.“
Ja, das stellte er sich lustig vor, besonders wenn er sich an seinen Traum oder seine erste Vision dieser Welt erinnerte. Inzwischen zweifelte er nicht mehr daran, dass diese Szene sich genauso abgespielt hatte, wie sie ihm im Schlaf gezeigt worden war. Buffy und Faith würden den Ripper schneller schachmatt setzen, als dieser die Tür aufbrechen konnte. Er konnte ihn jetzt so perfekt in sein Verderben rennen lassen, doch dann wäre er allein und müsste sich selbst eine nette Racheaktion für den Rest von Ruperts ehemaliger Truppe ausdenken. Wirklich keine gute Idee.
„Es gibt da nur ein Problem.“
Giles’ Augenbrauen wanderten skeptisch nach oben. „Redest du etwa von der Jägerin?“
Die fehlende Sorge in seiner Stimme verärgerte und verblüffte Ethan. Glaubte der Ripper etwa, er könne sie genauso leicht beseitigen wie den Reichsagenten? Wollte da etwa jemand unbedingt in sein Verderben laufen? „Erstens sind es zwei Jägerinnen, nicht eine. Und zweitens arbeitet ihr Wächter als Bibliothekar an dieser Schule. Vermutlich wird er in der Highschool auf sie warten, bis sie ihre Patrouille beendet haben.“
Erneut runzelte Rupert argwöhnisch die Stirn. „Woher hast du diese ganzen Informationen?“
Ethan ahnte, dass es falsch war, ihm von dem Amulett zu erzählen. Dann verspielte er viel zu leicht seinen besten Trumpf. „Ich habe davon geträumt.“
Giles nickte und verdrehte leicht die Augen. „Ja, ich weiß. Du bist der Hellseher. Auch wenn ich immer noch nicht verstehe, warum du auf einmal diese Fähigkeit hast.“
Der Chaosmagier war überrascht, keinerlei Spott aus diesen Worten herauszuhören, wie er es erwartet hatte. Sie klangen fast freundschaftlich. Und scheinbar verfügte er in dieser Welt über besondere Fähigkeiten.
Er musste zugeben, dass beide Tatsachen ihm sehr gefielen. Sie passten hervorragend in seinen Racheplan.
Plötzlich durchbohrte ihn Ruperts Blick. „Du sagtest etwas von zwei Jägerinnen. Weißt du, wie das passiert ist?“
Der Traum hatte Ethan natürlich darüber nichts verraten, aber bevor er ins Militärgefängnis gewandert war, waren ihm einige Gerüchte zu Ohren gekommen. Manche betrunkenen Dämonen waren die reinsten Klatschweiber. Allerdings bestand da die Möglichkeit, dass sich die Vergangenheit in dieser Realität völlig anders abgespielt hatte. Dieses Risiko musste er wohl eingehen. „Die eigentliche Jägerin, Buffy Summers, soll nach dem Kampf gegen den Meister für kurze Zeit tot gewesen und dann wiederbelebt worden sein. Und das hat gereicht, um die zweite Jägerin zu erwecken.“
Der Ripper sah ernst zur Seite. „Dann müssen wir uns einen neuen Plan überlegen. Ein Ablenkungsmanöver wäre wahrscheinlich das Beste. Ein anspruchvoller Dämon vielleicht oder ein kleiner Verwirrungszauber.“
Ein neuer Plan? Nervös spielte Ethan mit dem Anhänger der Rachedämonin. Von Minute zu Minute wurden ihm seine Gedächtnislücken unangenehmer. Das klang alles so perfekt und er wollte es auf keinen Fall dadurch versauen, dass er Giles’ Misstrauen weckte.
Das hier war genau eine dieser einmaligen Chancen, die man nicht vergeuden durfte. Und was Ablenkungsmanöver und das Anrichten von Chaos betraf, war er immerhin ein Meister. Ohne falsche Bescheidenheit gesprochen. „Da fällt mir schon was ein.“
Rupert musterte ihn überrascht. „Egal, was du auch genommen hast, das nächste Mal will ich auch was davon. Der Kater scheint deine Leistungsbereitschaft nicht zu beeinträchtigen.“
Ethan glaubte für einen Moment eine zweideutige Aussage aus diesen Worten herauszuhören. Aber höchstwahrscheinlich spielte ihm seine Phantasie einen Streich und er bildete sich dies nur ein, genau wie das kurze spöttische Funkeln in den grünen Augen des Rippers. „Mein Verstand funktioniert immer noch tadellos.“
Giles nickte knapp, die Andeutung eines amüsierten Lächelns auf seinen Lippen. „Ich weiß.“
Am liebsten hätte Ethan ihm eine herausfordernde Antwort gegeben, doch diese neue und gleichzeitig altbekannte Dynamik zwischen ihnen beiden verwirrte ihn. Er war sich für kurze Zeit nicht mehr sicher, ob es wirklich vorteilhaft war, sein Rachevorhaben in die Tat umzusetzen. Dann fielen ihm wieder seine nette Zelle und das schmerzerfüllte Geschrei seiner Mitinsassen ein. Dass Rupert so herrlich unwissend war und ihm zudem auch noch zu vertrauen schien, machte das Ganze nur umso verlockender. Nach all den jahrelangen, vergeblichen Versuchen, den Ripper erneut hervorzuholen, war es einfach zu spät.
Plötzlich riss ihn ein leises Summen aus den Gedanken.
Giles drehte sich sofort alarmiert zu Eingangstor um und starrte beinahe hasserfüllt in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Ethan wollte ihn schon fragen, was dieser Laut zu bedeuten hatte, doch Rupert kam ihm zuvor. „Deine Falle scheint funktioniert zu haben.“
Seine Falle? Was für eine Falle? Ethan versuchte, sich seine Unwissenheit nicht anmerken zu lassen, aber seine drängende Neugier wurde allmählich zu einem Problem.
Und was sollte das heißen, seine Falle schien funktioniert zu haben? Das war doch wohl selbstverständlich!
Neugierig folgte er dem Ripper hinaus ins Freie. Die Umgebung um die Halle herum sah genauso aus wie das Fabrikwrack hinter ihm es erahnen ließ: Halbvertrocknetes Gestrüpp überwucherte den Kiesweg. Abfall wie leere Getränkedosen oder die Verpackungen namhafter Fast-Food-Ketten lagen überall verstreut in den Büschen. Und der Maschendrahtzaun, der das Gelände eigentlich vor unbefugtem Zutritt schützen sollte, war voller, von Bolzenschneidern verursachten Löchern.
Giles führte ihn fast um die halbe Halle herum. Er fragte sich schon, ob es nicht vielleicht eine Abkürzung gegeben hätte, bis er in wenigen Metern Entfernung eine Gestalt erkannte, die regungslos am Boden lag. Als der unbekannte Mann sie beide entdeckte, versuchte er, sich von seinen unsichtbaren Fesseln zu befreien, die ihn scheinbar niederhielten. Doch er konnte sich nicht rühren. Es gelang ihm nur, den Kopf zu drehen.
Dieser Kerl gab wirklich ein erbärmliches Opfer ab. Wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen war und ohne fremde Hilfe nicht wieder aufstehen konnte.
Er lächelte triumphierend in sich hinein. Seine Falle funktionierte wirklich einwandfrei!
„Weatherby.“ Ruperts Stimme klang auf einmal so gefühllos und unbarmherzig, dass es Ethan eiskalt den Rücken hinunterlief. Was war zwischen dem Ripper und dem Ratsagenten nur vorgefallen?
Er betrachtete diesen Weatherby genauer. Eine breite Nase, Fischlippen, buschige Augenbrauen und die überkämmte Halbglatze machten aus ihm nicht gerade einen attraktiven Mann. Aber vermutlich machte sich das in seinem Beruf sogar gut.
Der boshafte Blick und das höhnische Lächeln des Ratsagenten wiesen nicht gerade auf einen Feigling hin. Und es schien nicht einmal eine Fassade zu sein.
„Der Ripper. Nennst du dich eigentlich immer noch so? Klingt nach der Wunschvorstellung eines Spätpubertierenden.“ Die raue und doch ölige Stimme des Kerls passte zu seinem Aussehen. Wahrscheinlich fragte er sich im Stillen manchmal enttäuscht, warum er kein Wächter werden durfte, obwohl der Grund dafür für jeden offensichtlich war.
Giles betrachtete sein Opfer abfällig. „Willst du mich damit etwa ärgern? Hat dir der Rat diese kindischen Beleidigungen beigebracht oder bist du ganz alleine darauf gekommen?“
Weatherby versuchte zornig, an seinen unsichtbaren Fesseln zu zerren, was reichlich lächerlich wirkte. „Ihr werdet dafür bezahlen, was ihr getan habt. Das schwöre ich euch!“
Ethan konnte sich ein spöttisches Lachen nicht verkneifen. „Na, dann fang doch endlich mit deiner Bestrafung an. Ich bin gespannt.“
Der Agent funkelte ihn böse an. „Wenn ich nicht unter diesem Bannspruch stehen würde, würdest du dich nicht so stark fühlen. Du bist doch nicht mehr als ein elender Mitläufer.“
Bitte was? Ein Mitläufer? Er war empört. Er hatte bereits unzählige Dämonen beschworen, Sunnydale und andere Städte sogar mehrmals ins Chaos gestürzt und das alles ohne Ruperts Hilfe. Dämlicher Speichellecker des Wächterrates!
Überraschenderweise kam ihm Giles zur Hilfe. „Du solltest ihn nicht unterschätzen. Seinetwegen bist du uns jetzt ausgeliefert.“ In seiner Stimme schwang etwas sehr Bedrohliches mit und Ethan ahnte nichts Gutes. Für Weatherby.
Dieser bemerkte es ebenfalls. „Es spielt keine Rolle, was du jetzt mit mir vorhast. Der Rat wird weitere wie mich schicken, bis ihr beide zur Strecke gebracht worden seid.“
Der Ripper ging neben seinem Opfer in die Hocke. „Sprichst du da von deinen Kollegen Collins und Smith? Wenn ja, dann muss ich dich enttäuschen. Sie haben genauso kläglich versagt wie du. Und falls noch andere kommen, bin ich bestens auf sie vorbereitet. Ich kenne die Methoden deiner Auftraggeber viel zu gut.“
Blitzschnell schoss plötzlich Ruperts linke Hand vor und dieser presste sie fest auf Weatherbys Mund und Nase. Zuerst bemühte sich der Reichsagent, seinem Gegner mit einem trotzigen Blick standzuhalten, der diesen jedoch nicht im Mindesten kümmerte. Aber bald gab er einen erstickten Aufschrei von sich, während er wild den Kopf schüttelte, um sich aus dem unbarmherzigen Griff zu befreien. Es gelang ihm nicht, obwohl Giles kein anderes Körperteil zu Hilfe nahm, um ihn zu bändigen.
Allmählich wurde Weatherby klar, dass er nicht entkommen konnte. Panisch riss er die Augen auf und versuchte, zu schreien und verzweifelt nach Luft zu schnappen.
Sein Todeskampf dauerte lediglich kurze Zeit, bis sein Körper endlich für immer erschlaffte. Vermutlich hatte seine Angst sein Ersticken beschleunigt. Sein Mörder stand auf und wandte sich unbeteiligt ab, als hätte er gerade eine Ratte oder irgendein Insekt erschlagen.
Ethan starrte fassungslos auf die Leiche herab. Was war hier passiert? Dies war eine völlig neue Entwicklung! Der Ripper war nicht einfach nur zurückgekehrt, er schöpfte nun auch einiges an verborgenem Gewaltpotential voll aus. Mit ziemlich drastischen Folgen!
Ein teuflisches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Seine Rache würde großartig werden!
A/N: So, ich weiß, Ethan hat das Mitleid einer Betonwand, aber für ihn hält sich das Ganze noch inGrenzen. Bin schon gespannt, was ihr sagt.
Vielen lieben Dank für eure Kommis. Dachte schon, die Story liest eh fast niemand.
@Eve: Ja, Ethan stirbt irgendwann, aber nach seiner Glanzleistung (verwandelt Giles in einen Fyral. Musst du dir ansehen, die Folge. Besonders Spike/Giles ist der Brüller) wurde er ja erst mal eingesperrt.
Und klar das Selbstgerechte gehört bei ihm einfach dazu. Aber er wird schon noch sehen, was er davon hat.
@Vel: Vielen Dank für dein Kompliment. Ich fand Ethans Feigheit auch immer erfrischend.Das machte ihn nicht ganz so unerträglich :D.
Tja, das Militär wäre nicht das Militär, wenn es nicht n Schlupfloch gäbe. Und egal ob Ethan jetzt diesen Gefängnisaufenthalt verdient hat oder nicht:Sein Schicksal im Bffy-Comic hat er nicht verdient.
Und wie du siehst, wacht Ethan nicht in Giles' Badewanne auf. Dann würde die Story auch eher lustig als düster werden :D. Aber wenigstens sind die zwei schon mal zusammen. Auf der Flucht.
@Angel-Slayer:Danke für die Punkte!