
Autor: ChatteNoire
Titel: Daydreams II: Escaping the Nightmare
Inhalt: Obwohl er die Aufgabe zu erfüllen hat, welche ihm der Dunkle Lord erteilt hat und die sein ganze Leben in Anspruch nimmt, fühlt sich Draco Malfoy nach einem merkwürdigen Traum von Hermine Granger angezogen...
Spoiler: 6. Band HP & THBP
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Teil: 1/3
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Hermine Granger/Draco Malfoy
Kommentar: Sequel zu meiner Story Daydreams
Escaping the Nightmare
I
Draco Malfoy erwachte mit einem Ruck. Er blinzelte und hatte für einen Augenblick keine Ahnung, wo er war. Doch seine Augen gewöhnten sich an das diffuse Dämmerlicht und ihm wurde klar, dass er immer noch im Raum der Wünsche war. Eigentlich hatte er sich nur ein wenig ausruhen wollen, als er sich auf den alten Sessel gesetzt hatte, aber er musste wohl eingeschlafen sein. Er spürte jede Feder in dem durchgesessenen und abgewetzten Polster und ein nicht schwindender Schmerz in seinem Nacken verriet ihm, dass dies nicht der beste Ort gewesen war, um ein kleines Nickerchen zu halten. Nicht, dass er überhaupt ein Nickerchen hätte halten dürfen!
Draco rieb sich die müden Augen und gähnte. Er hatte einen merkwürdigen Traum gehabt. Ein Schiff war darin vorgekommen, aber an mehr konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern, so sehr er es auch versuchte. Immer wenn er meinte, einen Erinnerungsfetzen zu erwischen, entglitt dieser seinem nun wachen Bewusstsein. Draco gab auf, es war egal und hatte nichts zu bedeuten. Mühsam stemmte er sich hoch, so als ob seine Glieder Tonnen wiegen würden.
Keine drei Meter vor ihm warf das Verschwindekabinett einen langen, dunklen Schatten, gegen den das spärliche Kerzenlicht nichts ausrichten konnte. Wie jeden Tag seit Beginn des Schuljahres hatte Draco seinen Abend im Raum der Wünsche verbracht. Jedes Mal verwandelte sich der Raum für Draco in den der verlorenen Dinge. Kathedralenähnlich und voll von Dingen, die Generationen von Hogwarts-Schülern und sonstige Schlossbewohner versteckt hatten, beherbergte er auch das Verschwindekabinett, in dem Montague im letzten Schuljahr für einige Zeit verschwunden war.
Montague wusste es nicht, aber seine Erzählungen waren es gewesen, die Draco schließlich auf seinen Plan gebracht hatten. Seit sein Vater gescheitert war, der seine Mission im Ministerium nicht hatte erfüllen können und nun in Askaban saß, hatte sich die ganze Wut des Dunklen Lords auf Draco gerichtet. Im Sommer hatte man ihm zum Todesser gemacht und er hatte den Auftrag erhalten, einen Weg zu finden, wie die Todesser nach Hogwarts kommen konnten und außerdem sollte er Albus Dumbledore töten. Würde ihm dies nicht gelingen, so würde der Dunkle Lord seine ganze Familie töten lassen.
Nachdem man Montague aus dem Verschwindekabinett befreit hatte, hatte er erzählt, dass er sowohl Dinge, die im Geschäfts Borgin und Burke geschahen, als auch solche aus Hogwarts, mitbekommen hatte. Daraus hatte Draco geschlossen, dass es eine Verbindung zwischen dem Kabinett in Borgin und Burke und dem in Hogwarts geben musste. Alles was er zu tun hatte, war das Kabinett zu reparieren, denn dass Montague wochenlang zwischen dem Hier und Da herumgeirrt war, ohne jemals irgendwo anzukommen, zeigte eindeutig, dass das Kabinett schon bessere Tage gesehen hatte.
Verächtlich blickte Draco nun den großen Schrank an und boxte frustriert mit der Faust gegen die dunkle Holztür. Wie eingebildet er doch gewesen war! Er hatte es sich ganz einfach vorgestellt. Mal eben so ein Verschwindekabinett zu reparieren konnte ja wirklich nicht so schwer sein, schließlich war er auch sonst nicht auf den Kopf gefallen! Im Hogwarts-Express am Anfang des Schuljahres war er zuversichtlich gewesen, dass er spätestens nach zwei Wochen den ersten Teil seiner Aufgabe erledigt haben würde. Und er war stolz gewesen; stolz, dass er sich nun endlich beweisen konnte.
Seiner Faust folgte nun seine Stirn, die er ebenfalls mit einem dumpfen Geräusch gegen die Tür schlug.
Sehr schnell hatte er bemerkt, dass es nicht so einfach sein würde, wie er sich das gedacht hatte. Sein Stolz und seine Zuversicht waren der nackten Angst um das Leben seiner Eltern und seiner selbst gewichen. Mit jeder Woche, die verstrich ohne dass er Ergebnisse vorweisen konnte, waren die Angst und der Druck auf ihn gewachsen. Nun war es kurz vor Weihnachten und nichts war größer als sein Hass auf Voldemort.
Wie konnte er jemandem Folge leisten, der das Leben seiner gesamten Familie mit dem Wink seines Zauberstabes auslöschen würde, nur um sich zu rächen und andere büßen zu lassen? In den einsamen Stunden im Raum der Wünsche war Draco klar geworden, dass Voldemort nicht derjenige war, für den er ihn immer gehalten hatte oder hatte halten wollen. Er brachte keine Veränderungen und Verbesserungen, sondern nur ein Regime aus Terror, Angst und Tod. Nichts und niemand war vor ihm sicher, nicht einmal seine eigenen Leute.
Die Ideale einer Reinblüterwelt hatte Draco längst aufgegeben. Nur Verrückte wie seine Tante Bellatrix konnten noch an diesem Schwachsinn festhalten in einer Welt, in der muggelstämmige Zauberer tagtäglich bewiesen, dass sie zur Magie ebenso befähigt waren wie Reinblüter. Doch für Draco gab es kein Zurück mehr. Er musste alles tun, um seine Familie zu beschützen und sie am Leben zu erhalten.
Erneut rieb er sich die Augen. Heute würde er wohl kaum noch den großen Durchbruch schaffen und deshalb beschloss er, in seinen Gemeinschaftsraum zurückzukehren. Sicherlich vermissten ihn seine sogenannten Freunde schon und er wollte neugierigen Nachfragen aus dem Weg gehen. Vor allem Pansy Parkinson interessierte sich immer brennend dafür, was er den ganzen Tag so machte. Draco war sich ziemlich sicher, dass sie glaubte, seine feste Freundin zu sein. Unweigerlich musste er nun doch bei diesem Gedanken grinsen. Wie einfältig dieses Mädchen doch war! Sie war gut genug, wenn er mal etwas weibliche Aufmerksamkeit brauchte, aber selbst das war nun schon Monate her. Draco seufzte.
Behände bahnte er sich einen Weg an hoch gestapelten Büchern und allerlei anderen, viel kurioseren, Dingen vorbei zur Tür. Dort nahm er ein wesentlich kleineres Häufchen Bücher und Pergament vom Boden hoch, welches er selbst dort platziert hatte. Mit dem Zeug im Arm machte er sich nun auf den Weg zum Gemeinschaftsraum der Slytherins in den Kerkern, wo er erzählen würde, dass er in der Bibliothek einen Aufsatz geschrieben hatte, was die Bücher in seinem Arm eindeutig bewiesen.
Draco fühlte sich wie erschlagen und beschloss, kaum in den Kerkern angekommen, dass er sofort zu Bett gehen würde. Dem erneuten Gedanken an ein großes Segelschiff im Abendrot maß sein ermüdetes Gehirn keine weitere Bedeutung zu.
*~*~*~*
Offenbar hielten Crabbe und Goyle es für den Hochgenuss des feinen Humors sich gegenseitig Rührei mit Ketchup ins Gesicht zu schmieren. Zumindest ließ ihr Gegacker darauf schießen. Genervt verdrehte Draco die Augen und massierte sich die Schläfen. Auch das allgemeine morgendliche Palaver in der Großen Halle trug nicht dazu bei, dass er sich besser fühlte.
Seine Nacht war alles andere als erholsam gewesen. Er hatte wieder von Katie Bell und der Halskette geträumt. Seit er Katie beim letzten Hogsmeade-Wochenende zuerst unter den Imperius-Fluch gestellt und ihr dann die verfluchte Halskette in die Hände gedrückt hatte, mit dem Befehl, sie Dumbledore zu liefern, wurde Draco davon im Traum verfolgt.
Er hatte es eigentlich für eine gute Idee gehalten, den Schulleiter aus dem Weg zu räumen, ohne sich ihm stellen zu müssen, doch als ihn die Nachricht erreicht hatte, dass Katie Bell der Halskette zum Opfer gefallen war, da war Draco regelrecht schlecht geworden. Zwar lebte Katie noch, aber es hätte auch leicht zu einem anderen Ende kommen können und Draco wurde bewusst, dass er kein Mörder sein konnte. Alles in ihm sträubte sich dagegen und doch würde er seine Aufgabe erfüllen müssen. Aber wie?
Seine Gedanken kreisten noch immer um die Frage, wie er den Schulleiter ums Leben bringen konnte, ohne das er ihm Angesicht zu Angesicht gegenüber treten musste, denn das würde er niemals schaffen. Damit Avada Kedavra Wirkung zeigte, musste man das Ergebnis dieses Fluchs meinen und wollen und Draco wollte Dumbledore nicht töten!
Er schüttelte den Kopf und beschloss, zumindest für eine Weile nicht darüber nachzudenken. Um sich abzulenken, ließ er seinen Blick durch die Große Halle schweifen, bis er schließlich am Gryffindor-Tisch hängen blieb, wo sich auch das „Goldene Trio“ zum Frühstück eingefunden hatte.
Von Potter konnte Draco nicht viel sehen, außer seinen verstrubbelten Hinterkopf. Unwillkürlich fuhr sich Draco durch sein eigenes, wie immer perfekt liegendes weiches Haar.
Von Weasley sah er dafür umso mehr und das war kein schöner Anblick, denn er fraß wie ein Bauer und schaufelte eine gehäufte Gabel nach der anderen in sich rein, während Lavender Brown dicht an seiner Seite klebte und unaufhörlich auf Weasley einzureden schien. Hätte Draco sich den Appetit nicht schon vor Monaten verdorben, dann hätte es dieser Anblick sicherlich endgültig geschafft.
Und dann war da ja noch Granger, die, wie Draco nun auffiel, zwischen sich und Weasley einen Platz freigelassen hatte und sichtlich angestrengt in ihren Tagespropheten starrte, nur um Weasley und Brown hin und wieder einen vernichtenden Blick zuzuwerfen. Bevor Draco sich jedoch überlegen konnte, wie er Granger bei nächstet Gelegenheit darauf hinweisen konnte, dass offenbar nicht mal Weasley sie wollte, fiel ihm jedoch sein Traum mit dem Schiff wieder ein und er war sich nun ziemlich sicher, dass auch Granger eine Rolle darin gespielt hatte.
Was hatte sie in seinem Traum zu suchen gehabt? Draco fand dies mehr als merkwürdig, doch so sehr er sich auch bemühte, nicht darüber nachzudenken, er wurde die Gedanken und Bilder den ganzen Tag über nicht los. Anstatt im Unterricht aufzupassen, versuchte er vergebens, sich an den Inhalt seines Traums zu erinnern.
Selbst Professor Slughorns Unterricht vermochte es an diesem Tag nicht, Dracos Aufmerksamkeit zu erringen. Er war froh, dass Zaubertränke das letzte Fach auf seinem Stundenplan war. Den Kopf in der stützenden Hand, blickte Draco ins Leere, als plötzlich und ganz von selbst Bilder vor seinen Augen aufstiegen:
...er und Granger, wie sie sich stritten und dabei Kleider trugen, die vor 200 Jahren modern gewesen waren...
...er und Granger, wie sie sich leidenschaftlich küssten...
...er und Granger, gemeinsam auf einem Bett, halbnackt, während er langsam ihre Röcke hoch schob...
In diesem Moment wurde Draco unsanft von Zabini, der neben ihm saß, in die Schulter gestoßen. Slughorn hatte ihn etwas gefragt und er hatte nicht geantwortet, weil er an einem ganz anderen Ort gewesen war. Einen Ort, den er am liebsten niemals gesehen hätte und so war Draco froh, dass Zabini ihn wieder in das Hier und Jetzt zurück geholt hatte und konzentrierte sich angestrengt, dem Unterricht bis zum Schluss zu folgen.
Tbc...
Alrighty Guys!
Nach einem Tag stumpfer Arbeit, bei der das Gehirn auf Wanderschaft gehen kann, könnt Ihr nun das Ergebnis dieser Phantasiereise bewundern;)
Hoffe, dass Euch die Story gefällt! Freue mich natürlich über Kommis und Feedback!
Vlg
ChatteNoire