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 redangeleve: Just one false step - Teil 2
Geschrieben von redangeleve am Dienstag, 09. März 2010 @ 19:06:50 Uhr



Autor: redangeleve
Titel: Just one false step
Inhalt: Fred gab sich einen Ruck, dann beugte sie sich über die Arbeitsfläche und inhalierte das Pulver durch das Glasröhrchen in ihr Nasenloch. Es war ein ungewohntes Gefühl und sie musste sich zusammen reißen, um nicht zu niesen. Doch außer dem Kribbeln in ihrer Nase, merkte sie keine Veränderung... Doch dann begann es.
Spoiler: AU
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Teil: 2/2
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Fred/Wesley, Fred/Gunn
Kommentar: Sorry, es hat etwas gedauert mit dem zweiten Teil. Ich konnte mich zwischen den beiden Endvarianten einfach nicht entscheiden, aber jetzt ist es vollbracht. Vielen, vielen Dank an Red-Syndey für ihren lieben Kommi!!!



 

Just one false step

 

II.

 

Mit einem leisen Seufzen warf Fred einen Blick auf ihre Armbanduhr, bevor sie einen weiteren Objektträger unter das Mikroskop vor sich auf dem Tisch, schob. Nur noch eine halbe Stunde, dann würde Wesley vorbei kommen, um sie zu ihrem Date in Lornes Bar abzuholen und sie war noch nicht einmal annährend mit der Arbeit fertig. Der letzte Testlauf war niederschmetternd gewesen. Obwohl sie aus der Probe nun nahezu jede Verunreinigung entfernt hatte, stimmten die Ergebnisse immer noch nicht mit den Werten überein, die sie erwartet hatte. Und das gerade bei diesen Substanzen, deren Gelingen so außerordentlich wichtig für die Firma waren. Sie brauchte ein positives Ergebnis, am besten noch heute. Aber wenn sie die Testreihe von vorn begann, also alle Proben noch einmal isolierte und in den Inkubator stellte, würde sie noch Stunden beschäftigt sein. Vielleicht konnte sie Wesley ja auf Morgen vertrösten... Fred schnaubte leise. Allein der Gedanke war absurd. Eher würde er sie wirklich noch mit Gewalt aus dem Labor schleifen, als dass er dabei zusah, wie sie wieder bis in die Nacht über dem Mikroskop saß.

 

Fred wollte sich nicht beschweren, sie wusste, dass sie mit Wesley einen Glückgriff getan hatte. Er war alles, was eine Frau sich wünschen konnte und er liebte sie wirklich. Stumm leidend hatte er es ertragen, als sie damals mit Charles zusammen gekommen war, doch in einem schwachen Moment hatte er ihr gestanden, dass er nie die Hoffnung aufgegeben hatte, dass es doch noch ein Happy End für sie beide geben würde. Und nun waren sie ein Paar, obwohl sie so gegensätzlich waren. Doch es waren gerade die Unterschiede, die sie aneinander schätzten. Die quirlige Fred mochte die Ruhe, die Wes ausstrahlte. Er war immer für sie da gewesen, als es ihr durch das Trauma der Gefangenschaft so schlecht gegangen war. Er hörte ihr geduldig zu, wenn sie mal wieder eine ihrer wissenschaftlichen Abhandlungen hielt. Und er trug sie auf Händen, war geradezu rührend besorgt um sie, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Alles in allem ein echter Gentleman.

 

Kraftlos lehnte sich Fred auf ihrem Drehstuhl zurück und rieb über ihre müden Augen. Das stundenlange Starren durch das Mikroskop verursachte ihr Kopfschmerzen. Die Bilder wurden unscharf und glitten ihr immer wieder weg. Vielleicht sollte sie wirklich für heute Schluss machen. So kaputt wie sie war, würde sie ohnehin nicht mehr darauf kommen, wo die Fehlerquelle lag. Etwas steif kam sie auf die Beine und rollte ihre Schultern vor und zurück. Himmel, was würde sie jetzt alles für eine Badewanne und ein warmes Bett geben. Vermutlich würde sie bei ihrem Date mit Wesley einfach einschlafen. Sie konnte sich kaum noch daran erinnern, wann sie zuletzt ausgeschlafen hatte. In den letzten Monaten war sie mit Arbeit so überhäuft worden, dass sie sogar an den Wochenenden in ihrem Labor gewesen war. Und damit Wesley nichts davon bemerkte, war sie meist morgens in aller Herrgottsfrühe hier gewesen, bevor sie zu ihm zum Brunch gefahren war. Wenn sie doch wenigstens einen Tag frei machen könnte. Nur einen Tag mal etwas anderes sehen, als Mikroskope, Erlenmeierkolben und elektrische Apparaturen... Doch daran war bei ihrem momentanen Pensum einfach nicht zu denken.

 

Als Fred ihren Kittel abstreifte und hinüber zum Waschbecken ging, um sich noch einmal frisch zu machen, bemerkte sie, dass etwas aus ihrer Hosentasche hervor lugte. Richtig, Charles „Muntermacher“- Pulver. Eigentlich hatte sie es nicht annehmen wollen. Als Chemikerin waren ihr alle Substanzen, die sie nicht selbst hergestellt hatte, suspekt. Nur ihrem Freund zuliebe hatte sie schließlich doch zugestimmt, das Tütchen zumindest an sich zu nehmen. Doch es zu benutzen, war eine ganz andere Sache, obwohl sie zugeben musste, dass sie einen kleinen Frischekick gut gebrauchen konnte. Zweifelnd starrte sie zuerst auf das bläuliche Pulver und dann in den schmucklosen Spiegel an der Wand.

 

Wesley würde toben und das zurecht. Selbst ein Blinder konnte sehen, wie überarbeitet sie war. Dunkle Ringe unter ihren Augen zeugten vom verlorenen Nachtschlaf und ihr spitzes, blasses Gesicht hatte schon lange kein Sonnenlicht mehr gesehen. Ob sie es wirklich wagen sollte? Nur ein einziges Mal, was konnte das schon schaden? Fred vertraute Charles blind. Er würde ihr niemals etwas geben, was ihr schaden könnte. Es brauchte ja auch niemand zu wissen. Es würde ihr gemeinsames Geheimnis bleiben. Wesley erwartete bestimmt, dass sie nach dem Besuch in der Bar zu ihm gehen und den Abend zusammen im Bett ausklingen lassen würden. Doch in ihrem Zustand würde sie da höchstens einschlafen.

 

Ein wenig mulmig war ihr schon, als sie das Tütchen öffnete und vorsichtig an dem Inhalt schnüffelte. Es roch ein wenig nach Salmiak, aber nur ganz schwach. Eigentlich hatte sie bei der starken Blaufärbung eher eine süßliche Note erwartet, aber vermutlich war dieser Farbton ganz einfach durch Lebensmittelfarbe entstanden, der dem Pulver ein ansprechendes Äußeres geben sollte. Freds Herz begann schneller zu schlagen, als sie vorsichtig einen Finger befeuchtete und ihn hinein tauchte. Argwöhnisch leckte sie mit ihrer Zungenspitze über die Fingerkuppe, bereit das Pulver jederzeit auszuspucken, doch sie merkte nichts. Es hatte kaum einen Eigengeschmack und auch sonst merkte sie keinerlei Veränderung. Vielleicht hatte sich Charles Freund einen Scherz erlaubt und es war ganz einfach gefärbter Puderzucker.

Auf jeden Fall schien es nicht giftig zu sein, also konnte es auch nicht schaden, eine Priese zu probieren. Mit wissenschaftlicher Präzision verteilte Fred das Pulver in einer geraden Linie auf der Arbeitsfläche, dann nahm sie eines der kleinen Gläsröhrchen, die sie sonst zum Pipettieren verwendete. Als sie ihr kleines Kunstwerk betrachtete, meldete sich noch einmal die Stimme der Vernunft in ihrem Hinterkopf. Was tat sie da bloß? War sie tatsächlich in Begriff eine ihr völlig unbekannte Substanz zu inhalieren? Wollte sie dieses Risiko wirklich eingehen? Aber Charles hatte ihr ja versprochen, dass es völlig harmlos war. Nur ein kleiner Rausch zum fit werden. Ganz ohne Risiko. Ein letzter Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie sich lieber beeilen sollte, falls sie noch vorhatte, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

 

Fred gab sich einen Ruck, dann beugte sie sich über die Arbeitsfläche und inhalierte das Pulver durch das Glasröhrchen in ihr Nasenloch. Es war ein ungewohntes Gefühl und sie musste sich zusammen reißen, um nicht zu niesen. Doch außer dem Kribbeln in ihrer Nase, merkte sie keine Veränderung. Im ersten Moment glaubte sie tatsächlich, dass es nur gefärbtes Milchpulver gewesen war und alles, was passieren würde, wäre dass sie ziemlich bald eine Toilette aufzusuchen müsste.

Doch dann begann es: Ein Prickeln ging durch ihren Körper, von den Zehenspitzen bis hinauf in ihre Haarwurzeln. Sie merkte plötzlich jede Pore, jeden Leberfleck auf ihrer Haut. Nacheinander stellte sich jedes einzelne Haar auf ihrem Körper auf, so dass Fred glaubte, wie ein Igel aussehen zu müssen. Ihre Pupillen wurden so weit, dass man ihre Iris gar nicht mehr wahrnahm. Ihre Atemfrequenz nahm zu und ihr Herzschlag beschleunigte sich, so dass sie ihren Puls in ihren Ohren dröhnen hörte.

 

Die Welt versank in einem Strudel voller Farben, Formen und Emotionen. Noch nie hatte sie sich so frei von allem Irdischen gefühlt. Die Minderwertigkeitskomplexe, die sie oft quälten, waren verschwunden. Die Ängste, die sie seit ihrer Gefangenschaft verfolgten, fort. Die Sorgen wegen ihrer Arbeit erschienen ihr unbedeutend und klein. Alles war auf einmal so klar. Die Welt, die Menschen, ja das ganze Universum ergab jetzt einen Sinn und Fred erkannte, dass sie in Wahrheit über all dem stand. Sie war anders als diese Ameisen, die sich müßig durch ihr Leben kämpften. Sie war besser, reiner, wissender. Die Menschen sollten sie respektieren, zu ihr aufschauen, sie bewundern. Nein, mehr noch, sie sollten sie anbeten dafür, was sie war. Sie war eine Göttin. Ein Fleisch gewordenes Stück Unendlichkeit. Sie sollten ihr einen Tempel bauen. Ja, das sollten sie wirklich tun. Einen Ort, der ihrer würdig war. Nicht so, wie diese niederen Behausungen der Sterblichen. Sie würde jetzt gleich hinaus gehen und es den Menschen sagen.

 

„Hey, bist du fertig?“

 

Fred war so vertieft gewesen, dass sie das Geräusch der Tür gar nicht wahrgenommen hatte. Erschrocken fuhr sie herum und sah sich Auge in Auge mit Wesley gegenüber. Auf einen Schlag entglitten ihr die Gedanken, die sie eben gehabt hatte. Auch das Hochgefühl schwand und stattdessen fühlte sie eine leichte Übelkeit aufsteigen, als sie unsanft in die Realität zurück geholt wurde. Was war passiert? Woran hatte sie gerade gedacht und was hatte sie tun wollen? Sie wusste es nicht mehr. Es war, als würde sie aus einem tiefen Schlaf erwachen und der Traum, den sie eben noch geträumt hatte, saß zwar noch im hintersten Winkel ihres Gedächtnisses, ließ sich aber nicht in den Vordergrund holen. Verwirrt schwankend hielt sie sich den Kopf, als sie auf Wesley zuging, der besorgt näher kam.

 

„Fred, was ist los? Geht es dir nicht gut?“ fragte er ernst, während er sie vorsichtig in die Arme schloss.

 

Die junge Frau zwang sich zu einem Lächeln. „Es ist nichts. Ich habe einfach zu viel gearbeitet. Komm, lass uns hier raus gehen.“

 

„Bist du sicher?“ Skeptisch musterte Wes das blasse Gesicht seiner Freundin.

 

„Klar, ich freue mich schon auf den Besuch bei Lor...“ Noch bevor sie ausgesprochen hatte, legte sich die Dunkelheit wie eine Wolke über Freds Gedanken. Sie merkte, wie ihre Knie einknickten; spürte Wesleys starke Arme, die sie auffingen; hörte seine Stimme, als er immer wieder ihren Namen rief, doch sie konnte ihm nicht mehr antworten. Von Sekunde zu Sekunde sackte sie tiefer in die Bewusstlosigkeit hinein, bis sie völlig von ihr verschluckt wurde.

 

XXXXXX

 

 

Das Gemurmel unterschiedlicher Stimmen drang wie das Summen eines Bienenstocks an Freds Ohr, als sie langsam wieder an die Oberfläche driftete. Ihr Mund fühlte sich an wie Sandpapier und die Gedanken fuhren in ihrem Kopf Karussell. Was war passiert? Wo war sie? Mühsam versuchte sie ihre Augen zu öffnen, doch sie musste feststellen, dass ihre Lider schwer wie Blei waren. Als sie ihren Arm leicht bewegte, fühlte sich eine Infusionsnadel in ihrer Ellenbeuge ruhen. Demnach war sie also in einem Krankenhaus. Aber warum?

 

Erneut packte sie eine Welle der Übelkeit. Es war, als würde sich ihr der Magen umstülpen und sie begann heftig zu würgen. Sofort hörte sie Schritte. Starke Arme zogen sie auf die Seite, hielten ihr eine Schalte unter das Gesicht und stützen sie, während sie sich schwallartig erbrach. Der kalte Schweiß trat ihr aus allen Poren und sie zitterte wie Espenlaub, doch die Hände hielten sie fest, streichelten sie und wirkten wunderbar beruhigend. Wieder und wieder zog sich ihr Magen zusammen, bis sie längst nur noch Galle hervor würgte. Dann war der Anfall vorbei und Fred sank erschöpft zurück in die Kissen. Blinzelnd versuchte sie erneut die Augen zu öffnen. Das helle Licht um sie herum blendete und schmerzte sie, doch sie weigerte sich die Lider wieder zu senken.

 

Schemenhaft erkannte sie Wesley, der neben ihr auf der Bettkante saß. Mit der einen Hand strich er ihr zärtlich die Haare aus dem Gesicht, während er mit der anderen, ihre schlanken Finger umfasste.

 

„Hey“, flüsterte sie schwach.

 

„Hey“, gab der Mann zurück. Er bemühte sich zu lächeln, scheiterte aber kläglich. „Wie geht es dir?“

 

„Ich fühle mich so schwach und schwindelig“, murmelte Fred undeutlich. „Was ist passiert?“

 

„Du bist gestern in deinem Labor zusammen geklappt, als ich dich abholen wollte“, erklärte er ihr den Tathergang.

 

„Gestern?“ fragte die junge Frau ungläubig. „Wie lange war ich denn weg?“

 

„Eine ganze Weile“, gab er vage Auskunft. „Es ist jetzt zehn Uhr vormittags.“

 

Das erklärte den übernächtigten Ausdruck auf Wes Gesicht. Vermutlich hatte er die ganze Nacht an ihrem Bett über sie gewacht.

 

„Du solltest schlafen gehen“, sagte Fred leise.

 

Sofort schüttelte er den Kopf. „Ich bin nicht müde.“

 

Sie bemühte sich um ein Lächeln. „Ich laufe dir nicht weg.“

 

Für einen Moment erschien ein gequälter Ausdruck auf seinem Gesicht, doch Wesley hatte sich schnell wieder unter Kontrolle. „Ich weiß, aber ich möchte lieber hier bleiben.“

 

Eine neue Welle der Übelkeit bahnte sich ihren Weg nach oben, doch Fred drängte sie zurück. „Steht es so schlecht um mich?“ fragte sie ihren Freund flehend.

 

Er schluckte hörbar. „Wie kommst du denn da drauf?“

 

Mühsam kämpfte sie sich in den Kissen hoch, den Schwindel und die Übelkeit ignorierend. „Sag mir die Wahrheit, Wes!“

 

„Die Ärzte tun alles was sie können“, gab er verzweifelt zurück. „Aber sie wissen nicht, was den Zusammenbruch ausgelöst hat.“

 

Bilder zogen vor Freds innerem Auge vorbei. Charles. Das Tütchen. Tiefblaues Pulver. Eine gerade Linie. Ein Glasröhrchen. Ein Meer von Farben. Ein Gefühl des Losgelöstseins.

 

„Es tut mir leid“, flüsterte sie, als ihr klar wurde, was das zu bedeuten hatte.

 

Verwirrt runzelte Wesley die Stirn. „Was tut dir leid, Liebling?“

 

„Ich hätte es nicht nehmen sollen. Ich wusste, dass es nicht richtig war, aber ich wollte doch so gern, dass wir einen schönen Abend haben“, presste sie gequält hervor.

 

„Was hättest du nicht nehmen sollen?“ frage der Mann alarmiert.

 

„Er hat es bestimmt nicht gewusst. Er wollte mir nicht weh tun. Das hätte er nie getan.“

 

„Wer?“ bohrte Wes nach. „Wer hätte was nicht getan?“

 

„Charles hat mir etwas gegeben. Damit es mir besser geht“, flüsterte sie kaum hörbar. In ihrem Kopf dröhnte es wieder laut. Die Aufregung war zu viel für ihren geschwächten Organismus. Erschöpft schloss sie die Augen, deshalb konnte sie den scharfen Zug um den Mund ihres Freundes auch nicht sehen. Nur mühsam zwang er sich zur Ruhe.

 

„Ist schon gut, Liebes“, sagte er beruhigend. „Schlaf ein wenig. Ich bin mir sicher, dass es dir dann bald besser gehen wird.“

 

Fred murmelte etwas unverständliches, dann erschlaffte ihr Körper und sie sackte zurück in die Bewusstlosigkeit.

 

XXXXXX

 

Sorgenvoll stand Wesley am Bett seiner Freundin und bewachte ihren Schlaf. Unruhig warf sich die junge Frau in den Kissen herum. Immer wieder durchzuckten Krämpfe ihren Körper und ließen sie wimmern und stöhnen. Direkt nachdem Fred eingeschlafen war, war er zurück in die Firma gestürmt und hatte Charles Gunn am Kragen seiner Uniform aus dem Haus geschleift. Er war kurz davor gewesen, den Farbigen, der einen guten Kopf größer war als er selbst, zu Brei zu schlagen, aber das hätte Fred nichts geholfen. Er brauchte Gunn vorläufig unversehrt. Schließlich musste er ihm eine Probe der Substanz besorgen, die er Fred gegeben hatte. Bei dem mörderischen Ausdruck in Wesleys Gesicht, war Charles auch sofort bereit gewesen, seinen Freund zu kontaktieren. Er schwor bei allem was ihm heilig war, dass er wirklich geglaubt habe, das Zeug sei harmlos. Doch das interessierte Wes nicht. Es war ihm egal, ob Gunn sich Vorwürfe machte oder nicht. Die ganze Situation war allein seine Schuld und wenn Fred irgendwelche Schäden zurück behalten sollte, dann konnte der Mann schon mal seine Knochen nummerieren.

 

Es machte Wesley fix und fertig einfach hier zu stehen und warten zu müssen. Die Angst schnürte ihm die Luftröhre zu, so dass er glaubte ersticken zu müssen. Gestern Abend, als Fred in ihrem Labor zusammen gebrochen war, hatte er fast befürchtet, sie zu verlieren. Ihr Puls war so schwach gewesen und sie hatte in seinen Armen gelegen wie eine Puppe, als er mit ihr in die Notaufnahme gestürmt war. Er wollte sie nicht verlieren. Er konnte sie nicht verlieren. Nicht jetzt, wo sie endlich zusammen gefunden hatten. Jetzt, wo sich Wesley am Ziel seiner Träume wähnte. Fred war alles, was er hatte und was er wollte. Er liebte sie so sehr, dass es fast schon schmerzte. Wenn sie jetzt von ihm ging... Nein, daran wollte er nicht denken.

 

Das Geräusch der Tür, die sich leise öffnete und wieder schloss, holte ihn schließlich aus seinen Gedanken. Er warf einen Blick zur Seite und sah Dr. Goldmann, Freds behandelnden Arzt, auf ihn zu gehen.

 

„Haben Sie etwas heraus gefunden?“ fragte Wesley mit gedämpfter Stimme.

 

Der Mediziner nickte. „Bei der blauen Substanz handelt es sich um eine synthetische Droge, die unter dem Namen „Illyria“ verkauft wird. Sie wirkt direkt im Nervenzentrum des Gehirns, wo sie Halluzinationen, bis hin zu Bewusstseinsstörungen und Wahnvorstellungen auslösen kann.“

 

„Aber das ist doch behandelbar?“ hakte Wes schnell nach.

 

„Ich fürchte nicht“, erwiderte der Arzt ernst. „Miss Burkle hat eine sehr starke Dosis der Droge eingenommen. Zwar konnten wir ein Organversagen verhindern, aber ihr Nervensystem ist schwer geschädigt. Wir können nur abwarten, inwieweit sich ihr Zustand verändert, wenn sie die Droge komplett ausgeschieden hat.“

 

„Das ist alles?“ fragte der Mann ungläubig. „Nur warten?“

 

„Es tut mir leid“, gab Dr. Goldmann mitfühlend zurück. „Aber ich fürchte, wir können tatsächlich nur warten und beten.“

 

XXXXXX

 

Vier Wochen später:

 

Hoch erhobenen Kopfes schritt sie durch den Park hinter dem Gebäude im viktorianischen Stil. Ihr Blick streifte die Menschen, die in leichten Jogging-Anzügen oder in Bademänteln umher wanderten, kaum. Sie waren unter ihrer Würde. Würmer, die sich glücklich schätzen durften, den selben Weg zu benutzen, wie sie. Der menschliche Körper, in dem sie steckte, war zwar schwach, aber er erfüllte seinen Zweck. Mit der Zeit würde immer mehr von der alten Kraft zurück kehren, die sie verloren hatte. Dann würde auch der hohe Zaun, der den Park vom Rest der Welt trennte, sie nicht mehr aufhalten. Sollten diese Narren doch glauben, dass sie sie mit ihren bunten Pillen ruhig stellen konnten. Sie würden sich noch wundern, wenn sie erst im Staub vor ihr krochen. Ihre Zeit würde kommen. Dann würde sie ihre Feinde vernichten und den Platz einnehmen, der ihr gebührte.

 

„Hallo Fred.“

 

Irritiert ließ sie den Blick zur Seite gleiten zu dem unwürdigen Mensch, der es gewagt hatte, ein Wort an sie zu richten. Sie kannte den braunhaarigen Mann. Er kam immer wieder, obwohl sie ihm gesagt hatte, dass sie ihn nicht mehr sehen wollte. Sie fragte sich, wieso er das tat. Er wirkte nicht glücklich, wenn er hier war, doch trotzdem schien ihn irgendetwas immer wieder zu ihr zu ziehen. Eigentlich hatte er es nicht verdient, dass sie ihre Zeit mit ihm vergeudete, doch heute war sie großmütig gestimmt.

 

Ihr Gesicht blieb ausdruckslos, als sie sich ihm zuwandte. „Knie nieder vor mir. Mein Name ist Illyria und ich bin eine Göttin.“

 

 

 


 
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"redangeleve: Just one false step - Teil 2" | Anmelden/Neuanmeldung | 2 Kommentare | Diskussion durchsuchen
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Re: redangeleve: Just one false step - Teil 2 (Punkte: 1)
von Red-Sydney auf Freitag, 12. März 2010 @ 18:51:54 Uhr
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So, jetzt hab ich den zweiten Teil auch gelesen und hab endlich Zeit, ihn zu kommentieren.

Dieser Teil hat mich richtig schmerzlich an A Hole in the World erinnert, obwohl du es gar nicht so drastisch ausführst.
Fred tut einem richtig leid, weil sie soviel arbeiten muss. Aber es passt zu ihr, dass sie Angel lieber nicht Bescheid gibt, dass sie eigentlich mal Urlaub bräuchte. Immerhin ist sie körperlich am Ende.

Das mit dem Pulver und seinen Folgen war schon heftig, obwohl ich es schon erwartet hab, irgendwie. Vor allem nach der Anspielung auf Illyria in Freds Gedanken während des Rausches.
Wes' Wut auf Gunn hast du zwar nur angezeichnet, aber sie kommt deutlich genug rüber.

Der Schluss ist dann der Hammer: Fred als geistig Verwirrte, die sich für eine Göttin hält. Illyrias Arroganz hast du sehr gut getroffen, auch wenn es schmerzt, wenn man weiß, wie Wes unter dieser Situation leiden muss. In der Serie war es ja so, dass die Seele seiner Freundin aus ihrem Körper verbannt wurde. Und hier könnte Fred ja wiederkommen, wenn man sie heilen könnte.

Ein schöner Beitrag zum CAM.



Re: redangeleve: Just one false step - Teil 2 (Punkte: 1)
von nisa auf Sonntag, 14. März 2010 @ 16:12:38 Uhr
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Was für ein krasses Ende!
Das ist mal wirklich eine gute Story, um zu warnen vor Drogenmissbrauch. Denn genau das, was Du hier beschreibst, gibt es ja auch wirklich. Ein ehemaliger Schulkamerad von mir ist so ein Opfer seiner Leichtsinnigkeit. Das macht mich immer wieder neu betroffen.

Und Du hast das wirklich phantastisch beschrieben, wie Fred die Kontrolle verliert, ihre benebelten Sinne halluzinieren und wie schlecht sie sich auch im Krankenhaus fühlt. Das ist sehr anschaulich und beängstigend.

Eine echt außergewöhnliche Idee finde ich, dass Du die Wandlung von Fred in Illyria, die es ja auch in der Serie gibt, hier überträgst. Das passt auf die reale Welt!

Großartiger Beitrag zur CAM!







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